Clemens Poloczek

Clemens Poloczek schrieb am 11.03.2010:

Banksy vs. Robbo

 

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Banksy aus Bristol gehört zweifelsohne zu den am meist gehypten Streetart Künstlern der letzten Jahre.

Neben seinen Graffiti Arbeiten startete er immer wieder außergewöhnliche Aktionen. So hängte er ohne Erlaubnis seine Bilder unter anderem im Museum of Modern Art in New York, Tate Modern in London oder dem Louvre in Paris auf. Oft dauerte es einige Zeit bis Leuten in den Museen das herein geschleuste Bild aufgefallen ist. Die Medien stürzten sich sofort auf die Geschichte und so wurde Banksy über die Kunstszene hinaus weltweit bekannt. Er hat es jedoch bis heute geschafft, seine Identität vor der Öffentlichkeit geheim zu halten.

Die Preise für seine Kunstwerke schnellten in die Höhe. 2007 wurde ein Original Banksy Bild für 80.000 Dollar bei Sotheby’s versteigert. Im Jahr darauf erreichte das Werk “Keep it Spotless” bei einem Sotheby’s Charity Event in New York die unglaubliche Summe von 1,87 Millionen Dollar. Doch der Hype ging noch weiter, denn plötzlich gab es immer mehr Löcher in den Wänden von Londons Häusern. Hört sich etwas komisch und zusammenhangslos an, jedoch kamen die fehlenden Stücke in den Mauern nicht von ungefähr. Die Leute klauten die gesprühten Motive des Künstlers von den Hauswänden. Und da das nicht so leicht funktioniert muss man eben zum Ärger der Bewohner das ganze Stück Mauer mitnehmen.

Ende letzten Jahres gab es nach dem Scheitern des Kopenhagener Klimagipfels drei neue Werke von Banksy am Londoner Regents Kanal zu sehen. Auf dem Bild oben ist der Spruch „I don’t believe in global warming“ zu lesen. Der untere Teil der Buchstaben ist vom Wasser verdeckt, was eine Anspielung auf die steigenden Meeresspiegel sein soll.

Auf den anderen zwei Werken ist ein angelnder Junge abgebildet, der am Haken das Tag von Banksy hat, sowie ein Maler, der gerade ein alten Schriftzug übermalt. Letzteres ist der Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit der Graffiti Legende Robbo. Von ihm stammt das Piece, das Banksy ungefragt mit seinem Werk gecrosst hat.

Auf den ersten Blick sieht das Bild vielleicht nicht sonderlich spektakulär aus, jedoch handelte es sich hierbei um eines der ältesten noch erhaltenen Pieces in London.

25 Jahre strotzte es Wind und Wetter, sowie unzähligen anderen Writern, die an diesem beliebten Ort mit ihren Dosen zur Tat geschritten sind. Zudem gilt es als ungeschriebenes Gesetz Schriftzüge von anderen Malern nicht zu übermalen. Tut man dies doch, kommt es einer Kriegserklärung gleich und der andere Sprayer hat das Recht des Gegners Kunstwerke mit seinem Tag oder was ihm gerade so in den Sinn kommt zu übersprühen. Wie er das macht und wann er damit wieder aufhört liegt dann ganz bei ihm.

Dementsprechend hat sich auch Robbo geäußert. Natürlich weder mit Worten noch mit seinen Fäusten. Er hat den drei neuen Banksy Bildern am Regents Kanal nach bestem Wissen und Gewissen seinen Stempel aufgedrückt. Obwohl er sich bereits vor 16 Jahren zur Ruhe gesetzt hat konnte er diese Schmach nicht über sich ergehen lassen.

Neben dem Maler aus Banksys Bild erstrahlte plötzlich in dicken silbernen Lettern das Wort „King Robbo“.

Aus dem „I don’t believe in global warming“ Schriftzug wurde „I don’d believe in war“ mit dem Hinweis „It’s to late fort hat Sonny!“

Und der angelnde Junge zieht auch nicht mehr das Tag von Banksy aus dem Fluß, wie ihr dem Bild unten entnehmen könnt. Auch hier gibt es wieder einen kleinen Hinweis bzw. in diesem Fall eine rhetorische Frage: „Did you think it was over?“

Die drei Werke wurden abschließend alle mit „Team Robbo“ gekennzeichnet, so dass es zu keinen Missverständnissen kommen kann. Die Szene wartet nun gespannt auf eine Antwort von Banksy. Der wiederum ließ verlauten, dass das Bild bereits vorher beschmiert worden war:

“I didn’t paint over a ‘Robbo’ piece. I painted over a piece that said ‘mrphfgdfrhdgf’, I find it surreal when graffiti writers get possessive over certain locations. I thought that having a casual attitude towards property ownership was an essential part of being a vandal.”

Im Krieg soll es ja anscheinend immer einen Gewinner und Verlierer geben. Doch die letzten Kämpfe der USA haben uns ja bereits eines besseren belehrt. Auch im Battle zwischen Banksy und Robbo mag ich bezweifeln, dass einer der Beiden mit erhobenen Händen das Schlachtfeld verlassen wird, während der andere den Siegerpokal freudestrahlend entgegen nimmt.

Ob das Bild wirklich der einzige Auslöser war, sei dahin gestellt. Immerhin spielt auch der Faktor Neid immer eine große Rolle, denn Robbo hat es nie geschafft für seine Malerei Geld zu bekommen. Er fühlt sich in seiner Ehre verletzt und wütet nun in London über den Werken von Banksy. Vielleicht wird er ja eines Tages damit aufhören. Ob Recht oder Unrecht, am Ende des Tages bleiben zerstörte Kunstwerke zurück, die keinem wirklich weiterhelfen.

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Thomas Praus

Thomas Praus schrieb am 10.03.2010:

Calligraffiti Buch Vorstellung und Verlosung

 

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Es liegt auf der Hand: Graffiti und Calligrafie als Kunst der Wörter sind eng miteinander verwandt. Und niemand steht so sehr für diesen besonderen Stil aus alten Buchstabenkunstelementen und Straßenmalerei-Techniken wie Niels “Shoe” Meulman, der inzwischen auch im Stedelijk Museum Amsterdam und im San Francisco MOMA ausgestellt wird. Der 1967 in Amsterdam geborene Künstler, der auch als Art Director für u.a. BBDO und MTV arbeitet, veröffentlicht nun ein Buch, das dem Begriff eine schöne, schwere Form gibt: Calligraffiti. Verlegt wird es von “From Here to Fame”, auf ihrer Seite gibt es auch eine schöne PDF-Preview.

Diese Woche wird es in Berlin vorgestellt und zwar morgen (11.03.) abend um 20:00h in der tollen Location Basement und am Freitag (12.03.) um 19:00 im Hip Hop Stützpunkt Common Ground, Marienburger 16a. Shoe wird da sein, also bringt was mit, das er unterschreiben kann!

Außerdem können wir hier eines der wunderschönen Bücher verlosen, bitte schreibt uns in den Kommentaren, warum ihr die Inspiration der Zeichen aus dem Buch besonders gut gebrauchen könnt!

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Nilz Bokelberg

Nilz Bokelberg schrieb am 10.03.2010:

Guck mal, der Boden! – Liegende Touristen

 

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Bei René auf dem Blog bin ich auf etwas ganz wundervolles gestossen. “Facedown Photography“. Das ist ein Blog das von drei Leuten betrieben wird und das nur aus Bildern besteht, die sie an mehr oder weniger klassischen Touristen-Foto-Spots machen, aber eben immer mit dieser einen Besonderheit, daß die zu fotografierende Person mit dem Gesicht auf dem Boden liegt. Das hört sich erstmal schrecklich albern an und ich kann tatsächlich auch kaum aufhören zu lachen. Einerseits. Andererseits hat das aber auch durchaus etwas supersubversives, auch wenn das gar nicht die Intention war, wenn man den Machern Glauben schenken darf. Zumindest schreiben sie das so auf ihrem Blog:

Facedowns are from over 2 dozen countries and at least 10 American states…and counting, of course. They do not highlight a community of anonymous submissions. Instead there is a focus on the locations and the relationship we all have with the quintessential ‘tourist photo.’ Don’t think about it too much though. We’ll be delighted if you’re simply amused.

Ich denke ehrlich gesagt, das das etwas tief gestapelt ist. Aber das macht es ja nur umso charmanter. Die Macher der Bilder wissen durchaus, das ihre Fotos auch als Statement lesbar sind. Das es eine gewisse Kritik zumindest auf der Metaebene gibt, die man in den Bildern sieht. Sie wollen es aber nicht überdramatisieren, an vordester Stelle steht dann doch noch der Spaß an der Idee. Ein Grund mehr, das Projekt zu lieben. Vor allem wenn man sieht, was dabei herauskommt:

Wie das manchmal zu einem Suchbild ausartet, wie sehr Menschen verschwinden können, wenn sie nur liegen. Unglaublich. Diese ganze Idee hat soviel Charme, Potential, Ausdruck und Kraft, ich wünsche mir das dem Team nicht so schnell der Atem ausgeht. Man kann stundenlang auf dem Blog stöbern und isch die Bilder genau ansehen. Ich bin ehrlich begeistert. Auf das noch eine ganze Menge mehr Facedown Fotos kommen (und eines Tages ein schöner Bildband). Danke Lynn und Michael Chealander und Amy Mihyang. Keep up the great work!

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Nilz Bokelberg

Nilz Bokelberg schrieb am 10.03.2010:

Carolyn Salas – Neu erfinden statt wiederverwerten.

 

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Ich weiß gar nicht, ob ich das hier schon einmal erwähnt habe, aber etwas wirklich schlimmes in der Kunst ist die sogenannte “Trash Art” in der aus Müll neue Kunstwerke entstehen sollen. Das ist in den allermeisten Fällen eher fremdschämig. Vermutlich weil es so einfach ist und sich die Leute keine Gedanken machen. Weder die Künstler über ihr eigenes Werk, noch über das Werk von anderen. Nicht umsonst geistert ja immernoch die Mär von der Putzfrau umher, die einen Klotz Fett von Beuys weggemacht haben soll. Da greift dieses typische “Ein Stück Fett kann ich auch in den Raum werfen”-Argumentations-Prinzip. Das man in der einfachen Installation durchaus einen großen persönlichen Bezug zum Künstler herstellen kann, das sehen die wenigsten. Gut, ich bin eigentlich auch der Meinung, das ein Kunstwerk für sich sprechen können sollte. Aber wenn es so persönlich ist, dann hab ich auch nichts dagegen ein bisschen Background mitgeliefert zu bekommen.

Aber ich bin etwas abgeschwiffen, denn: Es gibt, ganz selten, auch noch Menschen die etwas durchaus Großes aus gebrauchten Materialien schaffen und ich bin glücklich um jeden dieser Künstler, die ich entdecke. So wie bei Carolyn Salas. Die gebürtige Kalifornierin, die mittlerweile in Brooklyn lebt und arbeitet, verlässt sich nämlich nicht allein auf Fundstücke. Sie kombiniert ihre Arbeiten aus verschiedensten Quellen, dazu gehören auch gefundene Sachen, aber eben noch etwas ganz wichtiges: Handwerk. Salas ist detailversessen und schafft es zum Teil bekannten Stücken noch einen gewissen Twist abzugewinnen. Wie zum Beispiel bei ihrer (mit Adam Parker Smith in Kollaboration enststandenen Arbeit) “Trophy“. Schon alleine das Foto lässt gut erahnen, wie beeindruckend es sein muss, vor diesem Teil zu stehen.

Aufmerksam geworden bin ich aber durch eine noch deutlich kleinteiligere Arbeit, die ihre Liebe zum Detail eigentlich ziemlich gut illustriert und auch ihren Sinn für eine gewisse Form der Ironie schön demonstriert: Ihre Arbeit “Untitled Rug Project” ist ein Teppich. Ein Teppich der ein wie ein klassischer Perserteppich aussieht. Nur das Material ist ein anderes, denn Salas machte diesen Teppich aus getrocknetem Teppichschaum. Was das für eine Heidenarbeit gewesen sein muss, kann man nur ahnen. Aber ich hab mir die Bilder davon jetzt schon so oft angeguckt und kann es immer noch nicht ganz begreifen. Und das macht mir Spass. So etwas find ich spannend. Auf ihrer Seite steht zu dieser Arbeit:

Untitled Rug Project plays with the idea of construction and the historical role of the rug as design, display of wealth, and warmth. Composed not with thread but a more contemporary method of fused recycled foam carpet padding, traditional and invented carpet patterns and motifs are represented.

Es lohnt sich definitiv, der Seite der Künstlerin einen Besuch abzustatten, um sich noch ihre ganzen anderen Arbeiten anzusehen. Das ist sehr vielfältig und sehr unterschiedlich und doch trägt jedes Objekt immer so eine Ecriture. Da hat wohl jemand seine Form gefunden und muss sich nicht mit jeder Ausstellung neu erfinden. Ich bin mal gespannt, was da noch kommt.

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Anne W.

Anne W. schrieb am 08.03.2010:

Wie von Zauberhand

 

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Am Samstag erst ging sie zu Ende, die Ausstellung “As if by magic“, welche in zauberhafter Weise 1010 (Künstler und Street Artist aus Hamburg), Aitch (Künstlerin und Illustratorin aus Rumänien), Dixon (in Caracas, Venezuela geboren und nun in Barcelona lebend), Labrona (ein aus dem leicht unterkühlten Montréal stammender Street Artist), Noper (rumänischer Urban Artist und Illustrator), Other (der nach eigener Aussage aussieht wie ein unterernährter armer Künstler mit dunklen Augenringen), Produkt (Maler und Street Artist aus Montréal, der seine Inspiration in erster Linie aus Träumen bezieht) und Saddo (rumänischer Künstler, Illustrator und Street Artist) auf den rund 300 m2 Fläche der heiligen Hallen der neurotitan Galerie miteinander vereinte.

Die Besonderheit an dieser Zusammenstellung bestand darin, dass kein Thema die Arbeiten dominierte, sondern die Auswahl über ein verbindendes Element in ihnen selbst getroffen wurde. Eine Magie eben, die allen innewohnt, obgleich die Künstler aus den verschiedensten Teilen dieser Welt stammen und von unterschiedlichen Lebenshintergründen geprägt wurden. Sie hatten sich teilweise entweder schon einmal getroffen, dieselben Reisewege hinter sich oder tatsächlich im Kontext anderer Kollaborationen miteinander gearbeitet – jedoch erst jetzt formten sich diese Gemeinsamkeiten alle an einem Ort zu neuen Werken und die Inspiration beim kollektiven Malen erfolgte – natürlich – wie von Zauberhand…

Wer diese fantastische Zusammenstellung also leider verpasst hat oder schlicht nicht mit einer Berliner Wohnhaft gesegnet ist, darf sich nun an den folgenden Fotos ergötzen, die ich höchstselbst beim Wandeln durchs Zauberzufallsergebnis geschossen habe. Die ihnen eigene bunte Magie spricht schließlich für sich selbst:

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kerstin.geffert

kerstin.geffert schrieb am 08.03.2010:

Big Mouth strikes again – Markus Lupfer begeistert mit neuer Kollektion

 

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Im November letzten Jahres war Markus Lupfer einer der Artists, die beim Beck’s Gold Urban Experiences Workspace in Berlin ihre urbane Seite ausleben konnten. Damals beeindruckte er uns mit grob gepixelten, überdimensionalen Prints großstädtischer Motive.

Was Markus normalerweise kreiert, hat im Vergleich dazu einen ganz entscheidenden Vorteil: man kann es ANZIEHEN! Und so präsentierte sich der Wahl-Londoner im Februar dann auch ganz standesgemäß im Rahmen der London Fashionweek mit seiner Herbst-Winter-Kollektion 2010/2011. Die begehbare Installation im Somerset House entführte den Besucher in eine surreal-sympathische Welt aus unzähligen silbernen Ballons, die an Fäden gen Decke strebten und einem riesigen, lachenden Mund. Wer Markus’ Kollektionen kennst, weiß, dass der große Pailettenmund auf feinsten Merinopullis zu seinen modern Classics zählt – oft kopiert, nie erreicht.

Mit seiner neuen Kollektion geht er einen entscheidenen Schritt weiter und zeigt neben seinen luxuriäsen 24/7-Basics fast schon couturig anmutende Capes sowie wollige Mäntel im Militarystil, dernen Schulterpartien dicht an dicht mit schwarzen Schmucksteinen besetzt sind. Schmale, nudefarbene Tüllkleder mit schwarzen Punkten sowie kuschelige Statement-Pullis runden die Kollektion ab.

Angesichts dessen, was da nächsten Winter auf uns zukommt, können mich sogar die anhaltenden Minusgrade nicht mehr deprimieren, denn merke: Je geringer die Außentemperatur, desto mehr Lagen Lupfer passen unter den Mantel!

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andreas.richter

andreas.richter schrieb am 06.03.2010:

STREICHELZOO DER FORTSCHRITTSVERWEIGERER

 

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Seit Jahren geistert das Schlagwort der ‚Tonträgerkrise’ durch die Einschätzungen der Musikmarktexperten und die Schlagzeilen der entsprechenden Branchenblätter. Natürlich, wir stecken de facto mittendrin. Der Tod der CD ist beglaubigt, im Prinzip liegt sie halbtot röchelnd auf dem Sondermüllfriedhof, sich bis in alle Ewigkeit der Zersetzung verweigernd.

Dream Cube Shanghai Expo 2010

Kleine Notiz am Rande: Natürlich sind Cds nicht völlig nutzlos geworden, immerhin kann man aus den Trays Expo-Pavillions bauen.

Aber davon abgesehen will ihnen kaum noch jemand Coolnessvorsprung oder Revivalchancen einräumen. Nicht so wie den Musikkassetten, die seit geraumer Zeit ein Underground-Comeback erleben und von eigens darauf spezialisierten Tape-Labels wieder ausgegraben werden. Und bei weitem nicht wie bei der Vinylschallplatte, die natürlich nie wirklich weg war, deren Verkaufszahlen sich aber seit dem Anbruch der MP3-Hegemonie und dem Niedergang der CD ganz erfreulich stabilisieren. Gewiss, Vinyl ist kein zukunftsfähiges, sondern ein Liebhabermedium. Es ist ein nostalgisches Relikt, in dessen Renaissance sich die reaktionären Spleens der älteren Semester („Ich brauche was zum Anfassen!“) bündeln und das folglich den zweiten Frühling erlebt, bis die Generation iPod es irgendwann aus dem kollektiven Gedächtnis herausgeshuffelt hat. Aber in einer Gegenwart der sich immer weiter verkürzenden Halbwertzeiten von Trägermedien (auch der Tod des iPods wird bereits prophezeit), ist der Schwundaufschub der großen schwarzen Scheibe eines der wenigen beruhigenden Zeitzeichen. Insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Vinyl nicht mehr ausschließlich der unvergleichbaren Soundtiefe und der Rezeptionspraxis wegen gepresst wird. Selbst ein großer Teil der Schallplattenverfechter ist einfach zu faul geworden, nach gut zwanzig Minuten zum Turntable zu laufen und die Platte umzudrehen. Viele Labels bedienen die neuen Hörgewohnheiten und legen den Vinyls Coupons zum kostenlosen Download der enthaltenen Musik bei. MP3 für den Praxisgebrauch, das Medium für den ästhetischen Mehrwert. Das MP3 wandert ins iTunes, die LP in den Plattenschrank. Damit wurde das Trägermedium auf groteske Weise von allen Funktionalitätsbedingungen befreit. Es muss nur noch schön aussehen, möglichst limitiert sein und das Gewissen des Besitzers dahingehend beruhigen, dass er das Stück Musik eben tatsächlich besitzt und er es qua Plattensammlung auch jedem beweisen kann. Kurz gesagt: Eine Schallplatte hat heute keinen Nutzen mehr außer den, sich auf sie einen runterholen zu können. Das klingt vielleicht hart, aber hey, Fetische dieser Art sind doch das normalste der Welt. Und es gibt einen interessanten Nebeneffekt. Da Schallplatten eigentlich nur noch gut aussehen müssen, tun sie genau das in besonderem Maße. Besonders üppig ausgestattete Vinyleditionen sind kaum noch auf den Die-hard-Fan zugeschnittene Sonderformate, sondern in den Neuheiten-Regalen der Plattenläden beinahe schon Normalität. Beispiel gefällig?

Exhibit A: Sufjan Stevens – The BQE

Normalerweise durchmessen die Alben des Singer/Songwriters ganze US-Bundesstaaten. Nachdem er „Michigan“ und „Illinoise“ (sic!) aufnahm, machte er sich immer wieder einen Spaß daraus, Gerüchte darüber zu streuen, er hätte für jeden der 50 Bundesstaaten ein Album in Planung. Die Neigung zum Größenwahn legt er auch dann nicht ab, wenn er sich zwischen den regulären Albumveröffentlichungen anderen Projekten widmet. Wie zum Beispiel dieser Aufnahme eines Orchesterstückes, das – Achtung! – durch den Brooklyn-Queens-Expressway und – noch mal Achtung! – den Hula Hoop-Reifen angeregt wurde. Die Suite wurde im Jahr 2007 im Rahmen einer audiovisuellen Performance in der Brooklyn Academy of Music aufgeführt und vor kurzem wurde die Veröffentlichung hinterher geschoben, die ihrerseits die eine oder andere multimediale Ebene hinzufügt.

Die LP steckt in einem schönen, rundum bedruckten, dreiteiligen Gatefold.

Um auch nicht-New Yorkern die „Psychedelic Glory“ der Dauerstau-geplagten Schnellstraße vor Augen zu führen, liegt der Platte ein 32-seitiges, vollfarbiges Booklet mit Collagen aus Fotomaterial und exzentrischen Typografien, bzw. Form-Assoziationen bei, das Stevens höchstselbst mit einem ausufernden Essay über den Expressway anfüttert.

Das scheint dem Kreativität-sprühenden Alleskönner aber noch nicht gereicht zu haben. Als weitere Dreingabe gibt es einen 40-seitigen Schwarzweiß-Print des „Super Teenage Hooper Heroes“-Comics, dessen aberwitzige Story natürlich ebenfalls von Stevens selbst stammt.

Sufjan Stevens – The BQE ist bei Asthmatic Kitty Records erschienen.



Exhibit B: Joanna Newsom – Have One on Me

Bereits das letzte Album der gefeierten Harfe-zupfenden Songwriterin war Aufsehen erregend verpackt. In der Tendenz zum Opulenten Sufjan Stevens durchaus die Hand reichend, war die bisherige Diskografie der Amerikanerin eigentlich nur durch eines zu krönen: durch ein Dreifach-Album.

Entsprechend sind drei Schallplatten enthalten, jeweils mit Kontrast-satten Portraits auf der einen und der jeweiligen Tracklist auf der anderen Seite.

Zusammen mit einem achtseitigen Textheft werden die Tonträger von einem barock illustrierten Karton zusammengehalten.

Joanna Newsom – Have One on Me ist bei Drag City erschienen.

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Nilz Bokelberg

Nilz Bokelberg schrieb am 05.03.2010:

Memes of the week Pt.6

 

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Wochenend und Sonnenschein. Dieses Wochenende wird wohl keiner in der Bude hocken. Alle treibt es nach draussen. Ein Grund mehr sich in den letzten Stunden noch ein bisschen abzulenken. Und dafür ist diese feine, kleine Serie ja da. Los gehts!

Halleluja! Batarangs für alle! [via Quitzi]

- Das Video der Woche ist von der Meme-Meister-Band OkGo. Ich höre die ja schon seit Jahren und mir gefallen die immer sehr gut, bin da also voreingenommen. Bei denen klingt jedes Album wie das erste von Weezer, so Pop-Gitarren-Gedöns, ich mag sowas halt. Die große Aufmerksamkeit haben sie aber wohl hauptsächlich durch ihre Videos bekommen, welche den Begriff “viral” im Netz erstmal so richtig schön definiert haben. Unvergessen das Laufband-Choreographie-Video, das ja eigentlich das follow-up zu einem choreographierten Clip war, der eben ohne Laufbänder auf einem Hinterhof stattfand, aber eine erstaunlich lustige und unique Choreo aufzuweisen hatte an der sich so manches Fernsehballet ein Beispiel nehmen dürfte. Nun sind sie mit einem neuen Clip zurück und haben dafür eine extrem spektakuläre Rune-Goldberg-Maschine gebaut. Das bedeutet: Eine Maschine deren einziger Zweck ist zu laufen, in einer aufregenden Kettenreaktion. Hammervideo, wie immer (muss man ja schon dazu sagen…)

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Nilz Bokelberg

Nilz Bokelberg schrieb am 05.03.2010:

Japanische Geisterstädte

 

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Mittlerweile ist es ein grosser Sport für einige geworden verlassene Gebäude aufzusuchen und dort zu fotografieren. So habe ich schon Schlösser oder Sanatorien gesehen, verlassene Schulen in denen die Bücher noch rumlagen oder den häufig fotografierten und auch schon in Musikvideos auftauchenden, vor sich hinverrottenden Spreepark im Herzen Berlins. Und immer ist es faszinierend, sich diese Bilder anzugucken. Weil die natürlich ganz viel erzählen. Weil man sich fragt, warum da alles liegen gelassen wurde. Und man unwillkürlich damit beginnt, einen kleinen Film im eigenen Kopf abzuspielen, wie es da wohl ausgesehen hat, als noch Leben in der Bude war. Wie gesagt: Kopfkino par excellence.

Nun bekommt das ganze aber eine neue Qualität. Denn der in Japan lebende Fotograf Michael John Grist fotografiert nicht nur Ruinen in Japan, er fotografiert ganze Geisterstädte. Davon gibt es wohl mehrere, wie er auf seiner Seite erklärt:

In actuality, though, there are far more dark spots on the map than you’d imagine. The general view that every square inch of land is worth a bazillion dollars is just not true. There are gaps in the façade that whole towns have fallen into, along with bizarre abandoned theme parks, ruined U.S. Air Force bases, and the tawdry remnants of pay-by-the-hour love hotels.

Diese Städte nennt man wohl Haikyo, das japanische Wort für “Ruine”. Und die Fotos die Grist in diesen Ruinen macht, sind mehr als beeindruckend. Da stehen noch ganze Exponate in irgendwelchen Museen rum und die Verlassenheit der Städte bedrückt und zieht zugleich an. Wirklich fantastische Bilder und wer auf seine Seite geht, der hat eine Menge zu stöbern und zu gucken. Great work!

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Herm

Herm schrieb am 04.03.2010:

ABOVE – In luftigen Höhen

 

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Einer der bekanntesten Namen der Street Art Szene ist “ABOVE”. Der junge Herr stammt ursprünglich aus Kalifornien und hatte (unter anderem wohl auch durch den Einfluss seiner Hippieeltern) bereits sehr früh einen guten Draht zur Kunst. Mit verbrachte er bereits viel Zeit seiner Pubertät in der Skateszene und begann seinen Künstlernamen auf diverse in Züge der Stadt zu sprühen. Nach einiger Zeit wurde ihm das Ganze aber zu monoton. Einerseits war es ihm zu langweilig immer und immer wieder lediglich sein Tag zu hinterlassen, andererseits hatte er genug davon, nie seinen Namen auf ausfahrenden Zügen zu erkennen, weil die stets viel zu schnell vorbei rauschten. Er wollte etwas kreieren, was man im Bruchteil einer Sekunde erkennt und zuzuordnen weiß.

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