Damien Hirst hat bekanntermaßen die Superlative gepachtet. Er gilt als der reichste zeitgenössische Künstler, der bekannteste ist er sowieso. Er hat zahlreiche seiner Werke im Kollektivgedächtnis installiert. Besonders effektvoll waren aber vor allem seine Tierpräparate in Formaldehyd und sein wahnwitzig verzierter Abguss eines Totenschädels. Er gilt als der Typ, dessen Kunstwerke Rekordsummen erzielen, die er allerdings auch gern mal selbst beeinflusst, indem er sich am Kauf beteiligt. Er gilt als der Typ, der am Tag des wirtschaftlichen Lehman-Desasters nach einer Auktion um 138 Millionen Euro reicher war. Er gilt aber auch als der Typ, dessen Geltung sogar Pop- und Streetkultur erfasst, wenn er zum Beispiel für Supreme Skatedecks designt.
Hirst hatte allerdings nach all den spektakulären Aktionen der letzten Jahre einen Richtungswechsel angekündigt. Eine Hinwendung zur Malerei. Er selber soll sich in jungen Jahren angeblich für einen miserablen Maler gehalten haben. Glücklicherweise hat ihn das nicht abgehalten, sich nun mit großer Hingabe dieser Disziplin zuzuwenden. Es ist ein Zyklus entstanden, der, wie auch viele seiner anderen Arbeiten, das Morbide und den Sterblichkeitsgedanken aufgreift, allerdings unterscheiden sich diese Bilder von seinem früheren Werk nach eigener Aussage dadurch, dass sie „dem Tod ins Auge sehen, ihn vielleicht verspotten, während viele meiner vergangenen Arbeiten von Unsterblichkeit handelten. Noch vor kurzem glaubte ich, für immer zu leben.“
Viele für Hirst typische Motive tauchen in diesen Bildern auf, der Totenschädel, die Geometrie der Punkte, der Hai. Die Umsetzung und Präsentation der Malereien suchen offenbar die traditionelle Nähe zu Francis Bacon. Die Motive entwickeln sich oft vor geometrischen Mustern, die Bilder sind wuchtig gerahmt und hinter Glas ausgestellt. Es sind Ölgemälde, deren Farbe so mächtig aufgetragen wurde, dass sie geradezu plastische Züge annehmen.
Eine Vorschau dieses neuen Zyklus namens „Dark Trees“ ist seit heute in der Galeria Hilario Galguera in der Spinnerei, dem Hort der Neuen Leipziger Schule, zu sehen. Es ist eine kleine Ausstellung, auf kleinstem Raum werden insgesamt zehn Arbeiten präsentiert. Die große Schau wird am 15. April in Mexiko Stadt eröffnet. Damien Hirst in allen Ehren, aber da lohnt sich doch wohl eher der Weg nach Leipzig. Die Ausstellung dort endet am 06. Februar.
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20.01.10
Lori
Hammer Artikel, mein Lieber. Wäre gern dabei gewesen…