Ich habe ja Ende der 90er eine SurfenSkatenSnowboarden-Sendung im DSF moderiert und bin im Rahmen dessen auch viel rumgekommen. Unter Anderem war ich auch auf Hawaii. Zuerst auf der Insel Maui, die ist ein komischer Hybrid aus “Surferparadies”, “Naturbelassen”, “Ausflugsziel” und “Naturschutzgebiet”. Da leben viele ProSurfer (unter anderem auch ihr “Daddy” Robbie Nash). Und da gibt es dann für jede Surfart einen eigenen Strand. Es gibt den Baby Beach für die Anfänger, dann gibt es eine Ecke wo sich die ganzen Kite Surfer treffen und natürlich gibt es auch noch perfekte Spots fürs Wellenreiten und fürs Windsurfen. An der Insel ist aber auch an jeder Ecke die Strömung ein bisschen anders und es zahlt sich aus, darüber Bescheid zu wissen. Wie ein Redakteur von uns am eigenen Leib erfahren musste als er aus Spass mit dem Boogie Board an einem Strand ins Wasser gesprungen ist und wir mit dem Auto an der Küste entlangfahren mussten, um ihn ein paar Kilometer weiter an einem Fischrestaurant wieder aus dem Wasser zu holen (Das klingt jetzt dramatischer als es war, wir haben sehr gelacht…:)). Und die grosse Spezialität der Einheimischen ist die sogenannte “Maui Time”, das heisst: Wenn du dich mir einem Mauianer verabredest ist sein auftauchen zu einem verabredeten Zeitpunkt auch eher so eine Glückssache. Man kann Uhrzeiten ja auch sehr grosszügig auslegen. Maui Time eben. Kurzum: Ein Platz zum wohlfühlen und wäre es kein französischer Ausdruck, man sollte meinen “Laissez-faire” wäre dort erfunden worden.

Die, vermutlich bekanntere, Nachbarinsel Oahu beheimatet den Ort Waikiki. Auf der Insel wurden auch die ganzen Magnum-Sachen gedreht, was ich unter anderem daher weiss, das mir abends in einem Nachtclub an der Garderobe das Buch des Schauspielers, der in der Serie “Rick” gespielt hat, verkauft wurde. Es war seine Biografie, die eigentlich nur aus B-Movies (euphemistisch gesagt) und eben der teilnahme an dieser Superserie bestand. Ich musste mir das einfach kaufen. Auch nachdem der Nachtclubbesitzer, ein ausgewanderter Deutscher, uns erzählte, das Tom Selleck früher immer gerne in seinen Laden gekommen sei. Ansonsten ist Waikiki eher nicht empfehlenswert. Wie Rimini. Nur das dicke, amerikanische Touristen fast noch hässlicher sind als dicke Deutsche. Ansonsten eine Betonburg. Wenn man aber dann einen Ausflug auf die andere Seite der Insel macht, dann wird man wieder beeindruckt: Die North Shore.

Wir waren im Dezember da, als gerade ein grosser Wettbewerb stattfand. Ach was: DER Wettbewerb. An DER Location überhaupt fürs Wellenreiten. Und tatsächlich sind die Haushohen Wellen, die man vom Strand aus sehen kann mehr als beeindruckend. Ich habe mich da in den Sand gelegt und nur gelauscht. Das permanente Grollen und Donnern der Wellen ist alleine schon eine unglaublich beeindruckende Geräuschkulisse. Dieser Moment wird mir immer unvergessen bleiben.
Und jetzt komme ich endlich zu dem, um das es gehen soll: Todd Glaser ist Surfer und fotografiert Surfer und schafft es mit seinen Bildern wirklich unglaublich gut, das Lebensgefühl, den Style den die Jungs haben einzufangen. Überhaupt könnte man ja behaupten, das die Fotografie aus diesem Sportbereich (wenn ich mal Skaten noch dazuzähle) schon immer am Innovationsfreudigsten war. Ich habe das Gefühl das dort, wo skaten/surfen und Fotografie aufeinander traf, immer die Möglichkeiten des Mediums am weitesten ausgereizt und ausprobiert wurden. Lange bevor die Ästehtik dann noch in andere Bereiche wie Modefotografie oder Fotojournalismus rüberschwappte. Oder um es ein bisschen alter-Sack-Arroganter auszudrücken: Die wilden Partyfotos, die du in der Neon siehst und für neu und frisch hältst, die hab ich schon vor 12 Jahren so im Big Brother Magazine gesehen. Fotografie als Lifestyletransporter, das funktioniert eben bei den Leuten am Besten, bei denen der Übergang von Hobby zu Beruf fliessend und nicht erkennbar ist: Den Surfern.

Dabei sind die Bilder aus dem Portfolio von Glaser absolutes Eyecandy und schaffen es nicht nur Dagewesenen wie mir die schönen Erinnerungen wieder ins Gedächtnis zu rufen, sondern auch nie Dagewesenen, aber Wintergeplagten Europäern wie uns zuzurufen: Es gibt sie noch, die schönen Plätze! Verzagt nicht, verreist! Haltet die Augen offen! Und gebt die Hoffnung nicht auf! Nach Regen folgt immer Sonnenschein! Manche mögen es Eskapismus nennen, ich nenne es Sommer.

Weitere fantastsiche Bilder sieht man auf Todd Glasers Seite (inklusive Blog) und wenn man den Frühling begrüssen und sich auf den Sommer freuen will, dann sollte man da jetzt schnell hinklicken und Sonne tanken.
Via Jeriko.
P.S.: Ja, ich weiss das nicht alle Bilder, die hier zu sehen sind, auf Hawaii aufgenommen wurden. Es ging mir im Text auch eher um eine Lebensgefühl “hinter” den Bildern und da konnte ich eben am Besten aus meinen Erfahrungen auf der Insel schöpfen.
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