Ich erhielt vom Museum für Kommunikation Frankfurt eine Einladung diesen einen Abend im Januar neben Stevan Paul, Autor, Koch und Foodstylist, kunterbunt zu gestalten. Während Herr Paul (auch als Herr Paulsen bekannt) die ersten beiden Fraktionen vertrat (also Foodblogs und Kochbuchschwemme) war ich zuständig für den dritten Bereich: Esskunst. Wobei es sich hierbei weniger um Kochen handelte, sondern ums Backen. Kochen verhält sich bei mir nämlich genauso, wie mit dem Auto fahren – Gerne! … aber schlecht.
Ich backe dafür und das recht gut – allerdings immer ein und dasselbe Rezept, werde dem aber irgendwie auch nicht überdrüssig. Und, glauben Se mir, ich habe alles Erdenkliche ausprobiert, damit ich mich endlich einem neuen Rezept zuwende- dazu etwas später.
Stevan Paul- Herr Paulsen also, stellte an diesem Abend sein kürzlich erschienenes Buch „Monsieur, der Hummer und ich“ (erschienen im mairisch Verlag) vor und gab daraus eine Lesung zum Besten, die sich wirklich gewaschen hat. Der Tausendsassa (das kann man wirklich von ihm behaupten) versteht es, nicht nur kleine Erzählungen (genau genommen sind es Anekdoten, die ihm so wirklich widerfahren sind) zu seinen Rezepten zu schreiben. Er weiß auch, diese wunderbar komisch zu lesen. Herrlich! Wenn ihr die Möglichkeit habt, an einer seiner Lesungen teilzunehmen, so möchte ich Euch genau das ans Herz legen! Auf seinem Blog oder seiner Website könnt ihr Euch über aktuelle Termine informieren!
Ich sachet nur noch einmal: Herrlisch, der Herr Paulsen, sach ich, herrlisch und hingehen!
Mein Part an diesem Abend war der wohl unanstrengendste – für diesen Moment der Vorstellung zumindest. Denn die Tage davor bis zu Beginn der KommBar stand ich unter „Projektstress –Galore“. Und dennoch, muss ich sagen, war dieser „Aufwand“ genau richtig. Denn der „Aufwand“ an sich war in meinen Augen die Kunst selbst- das „Ding“ am Ende war der Schlusspunkt. So geht es mir um das kleine Glück und das Streben des Menschen nach dem ganz großen. Ich bin überzeugt davon, dass fast jeder den Aspekten des „Alles muss perfekt sein und ohne Fleiß keinen Preis“ unterlegen ist. Diese Tatsache machte sich der dänische Künstler Jorgen Leth nicht umsonst zu eigen und drehte schon im Jahr 1967 (jaja, diese Thematik ist so alt wie die Menschheit) den Kurzfilm „The perfect human“.
[YouTube-Direkt The perfect human]
Neun Minuten lang dauert der Film und am Ende wusste ich warum ich genau diese Arbeit machen musste. „Why is fortune so capricious?“ Delicious!
Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, 1020 Küchlein in Blumenform zu backen und diese schließlich an einer Wand anzubringen – aufgespießt auf Zahnstocher, wie kleine Schmetterlinge. Konserviertes Glück, könnte man meinen. Unter eben genanntem Aspekt „Ohne Fleiß keinen Preis“, war es mir wichtig, diese große Anzahl selber herzustellen. Es wäre zu einfach gewesen, diese Arbeit einem Bäckermeister anzuvertrauen, zumal ich somit auch mein Geheimrezept hätte verraten müssen – das kam mir gar nicht in die Tüte. Somit habe ich knapp 100 Eiweiß vom Eigelb getrennt, 4,8 kg Butter, 6,8 kg Zucker und 7,6 kg Mehl in 20 Stunden zu kleinen Törtchen verbacken. Und im Nachhinein gesehen – es war fantastisch. Das nennt man Backwahn. Ich habe in keinem Zusammenrührgang irgendeine Zutat vergessen – das ist wie Würstchen in Gläser drehen-großartig!
Einen weiteren Teil meiner Arbeit bestand nämlich auch darin, diese ganze Angelegenheit in entsprechende Zahlen umzuwandeln, um eine Statistik anzulegen (ein Tortendiagramm ist hier also gar nicht abwegig) – ganz klar deshalb, weil wir, egal, wo wir hinsehen mit eben genau diesen Zahlen in unserem ganzen Leben konfrontiert werden. Da wird getürkt und geschönt- aufgemotzt, so dass man nur noch davon überzeugt sein kann, dass das, was wir sehen nichts als die reine Wahrheit ist. Und es fasziniert uns zumeist und wir denken: „Wooow – das sind 5 kg echte Markenbutter und 100 Eier von glücklichen Hühnern, das kann nur gut sein!“ Ach, die Küchlein sind aber auch wirklich gut gewesen und den Raum haben diese Teile beduftet, dass es eine Pracht war! In etwa so hat es gerochen, als wenn die hier im Kino um die Ecke frisches Popcorn machen! Die Küchlein in dieser Menge an der Wand zu sehen hat mich ebenfalls beglückt! (Viel hilft ja auch schließlich viel, nicht wahr?) Wichtig ist allerdings und darauf will ich aufmerksam machen, dass einen die Kleinigkeiten im Leben glücklich machen können. Dass es sich nicht immer nur um das große Ganze drehen muss. Das Kleine reicht manchmal und kann das Gemüt schneller beschwingen als die ewige Warterei auf den Jackpot.
Am Ende durfte jeder Gast nach Herzenslust zugreifen – es sah dann ein bisschen nach Pacman aus! Mir hats gut gefallen und erstaunlicherweise schmecken mir die Teile immer noch! Also auf die nächsten 1000! Und wer sich mal ein bischn übers Glück erkundigen möchte: Bitte schön hier kommt das Glücksarchiv.
abgelegt in: Allgemein, Kunst und Design ![]()





























Zu diesem Artikel
gibt es bisher noch keine Kommentare
Du kannst kommentieren, oder einen Trackback von deinem Blog aus setzen.