Albumcover Shour Our Louds WorkWenn Adam Olenius nicht der Sänger der Shout Out Louds wäre, könnte er auch glatt als Double von  Jason Schwartzman durchgehen. Dieser Gedanke drängt sich als allererstes auf, als ich mich zu ihm an den Tisch setze. Mit der Vermutung, nicht der erste zu sein, der diesen Vergleich anschleppt, liege ich goldrichtig. Ehe wir uns versehen, gleiten wir in Mutmaßungen darüber ab, wie lange es wohl noch dauern könnte, bis nicht er mit Jason Schwartzman, sondern Jason Schwartzman mit ihm verglichen wird und gleichen den Kenntnisstand über dessen (also Schwartzmans) neue Serie „Bored to Death“ ab. Allzu lange dürfte sich der Welterfolg wohl nicht mehr bitten lassen. Die Schweden haben ihren Pop-Entwurf in den letzten Jahren immer weiter verfeinert und mit dem aktuellen Album „Work“ den Szene-Credit ‚Schwedenpop’ auch in eine weiter gefasste Gültigkeit ihres charmanten Gitarrensounds übersetzt. Man könnte wohl auch sagen, sie klingen nun internationaler.

Als sie vor wenigen Wochen in Berlin dieses Album vorstellten, konnten wir neben der Klärung der Doppelgängerproblematik glücklicherweise auch noch ein paar Hintergründe der Albumproduktion aufdecken.

Euer neues Album heißt „Work“. Warum habt ihr gerade diesen ausgesprochen rationalen Albumtitel gewählt?

Adam: Es hat ein Weilchen gebraucht, bis wir realisierten, dass diese Band, das Aufnehmen und das Touren im Prinzip unsere Arbeit ist. Und mit dem Album nehmen wir diese Erkenntnis an. Natürlich umgeben den Begriff negative Assoziationen, die Routine der täglichen Arbeit, aber wir sind ja auch sehr stolz auf diese Band. Außerdem kannst du ja den Begriff Arbeit auch als das Endprodukt des Arbeitsprozesses verstehen. Also als eine Arbeit, als ein Werk. Man verbindet schließlich auch die Vorstellung damit, dass man sich von der Außenwelt abkapselt und für eine gewisse Zeit sehr intensiv mit einer künstlerischen Sache beschäftigt. Eine beinahe romantische Vorstellung. Dass du so hart arbeitest, dass du anfängst den Verstand zu verlieren. Und der Titel verbindet all diese Dinge miteinander.

Denkt ihr, dass das Publikum das auch versteht oder glaubt ihr, dass bei Arbeit doch eher die unerfreulichen Konnotationen im Vordergrund stehen?

Adam: Ich hoffe, dass die Leute es verstehen. Dass es diesen Kontrast gibt zwischen dem sehr sachlichen Titel und unserer Musik, die wir ja mit großer Leidenschaft spielen.



Deutet es auch darauf hin, dass der Entstehungsprozess diesmal strukturierter und organisierter war als vorher?

Carl (Gitarre): Durchaus. Einfach, weil die Aufnahmen unter Zeitdruck entstanden. Wir haben das Album zur Hälfte in Seattle aufgenommen und den Rest zuhause in Schweden. Wir hatten nur drei Wochen Studiozeit in Seattle, wir mussten also gut vorbereitet dort ankommen.

Adam: Es war trotzdem eine interessante Erfahrung. Beim letzten Album konnten wir uns viel Zeit lassen, haben hier und da mal einen Song aufgenommen. Wir hatten uns auch ein paar Monate Auszeit genommen und jeder ging seiner Wege, das machte es umso notwendiger, dass wir danach besonders fokussiert an die Aufnahmen gehen mussten.

Du hast einige Monate in Melbourne verbracht. Wie kann man sich denn den Songwritingprozess über eine so große Distanz vorstellen?

Adam: Die Distanz hatte auch etwas Gutes. Ich war in der Lage, die Band und all das, was wir machen, etwas von außen zu betrachten. Und es war auch interessant, diesmal beim Songwriting zunächst auf mich allein gestellt zu sein. Ich habe in Melbourne Soundskizzen angefertigt und diese dann als MP3 an die anderen nach Stockholm geschickt. Und sie gaben mir dann Feedback.

Carl: Ich fand es schon schwierig auf Distanz zu arbeiten. Normalerweise kannst du sofort sagen, wenn dir etwas nicht gefällt und die Kommunikation ist viel spontaner und dynamischer. Und so kam es hin und wieder zu Missverständnissen. Ich bereue auch ein paar Dinge, die ich zu Adam gesagt habe, haha.

Adam: Warte nur ab, ich werde mich irgendwann rächen.

Das wird ja vermutlich auch kein zukunftsfähiges Modell für euch sein …

Adam: Nein, definitiv nicht. Aber es war zu dem Zeitpunkt ganz gut, diesen Abstand zu haben. Wir brauchten das einfach. And now it’s back to ‚work’.



Ist es für euch manchmal problematisch zwischen eurer immensen Popularität in Schweden und der noch nicht ganz so großen Geltung außerhalb von Schweden hin- und herzuwechseln?

Carl: So groß sind die Unterschiede gar nicht. Wir spielen hier in Berlin oder in größeren Städten in den USA ähnlich große Shows wie in Schweden. Insgesamt gleicht sich das langsam an. Aber ich finde es auch nicht schlimm, auf Tour diese Unterschiede zu haben. Also neben den anderen Unterschieden, wie z.B. dem Essen. Das macht es ja gerade interessant.

Adam: Auf diese Weise schläfst du auch nicht ein. Du betrachtest die Dinge nicht als selbstverständlich. Wir tourten beispielsweise zum ersten Mal in Italien und die Shows waren allesamt eher klein, aber es war trotzdem unglaublich wichtig, diese Tour zu spielen. Natürlich auch, weil das Essen da so toll ist, haha. So ähnlich war es auch letztes Jahr in Brasilien. Ich finde, man sollte sich nie ausruhen. Sonst wird man als Band auch langweilig.

Warum habt ihr euch Berlin ausgesucht, um das Album vorzustellen?

Carl: Ein Showcase in Stockholm zu spielen, wäre zu einfach gewesen. Berlin bietet sich für so etwas einfach an. Wir versuchen diesmal auch, die Veröffentlichung besser zu synchronisieren. Das neue Album soll diesmal nahezu zeitgleich in den USA und Europa erscheinen. In Schweden hätten wir nur fünf Interviews geben müssen und fertig. Deutschland ist einfach größer und für uns einfach auch sehr wichtig.

Adam: Davon abgesehen ist es für uns auch einfach schön, in Berlin zu spielen. Wir haben hier viele gute Erfahrungen gemacht. Stockholm, Berlin und New York sind vermutlich die besten Städte für uns.

Das Album „Work“ erscheint Ende Februar bei Universal.

 

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