Hamburg, Donnerstagmittag, Ree-Location: kein Regen, und die Frisur sitzt – noch. Wenn ich mir den Performance-Künstler Morgan Belenguer anschaue, wird er jedoch in spätestens zwei Stunden aussehen, wie ein Frettchen im Hundezwinger. Er gibt sich nämlich gerade den bizarrsten Verrenkungen hin, windet sich in und um die TTT-Installation und reibt sich an den Holzboxen als müsste er sich erst einmal den Alltag vom Rücken kratzen.

Überhaupt bietet sich dem Betrachter ein ebenso bizarres wie spannendes Bild, wenn er von der Balustrade aus in den Raum blickt. Überall wird gesägt, gehämmert, gemalt, ausgedruckt und – natürlich – diskutiert. Geordnetes Chaos nennt sich das wohl, eine Situation, in der alle versuchen, mittels eines möglichst unüberschaubaren Durcheinanders ein kreatives Miteinander zu erzeugen und: es klappt!

Wer außerdem schon immer mal einen eloquenten Mittvierziger beim Luftballon Aufblasen zusehen wollte, kommt hier im Moment voll auf seine Kosten. Der Architekt Norbert Palz macht nämlich genau das und entwickelt dabei eine Leidenschaft, an der sich so mancher Jahrmarkts-Ballonjero ein Beispiel nehmen könnte. Mittlerweile hat Palz geschätzte 78 Ballons aufgepustet und sieht trotzdem noch immer so frisch aus, als wäre er gerade auf dem Weg zur Oper. Man darf gespannt sein, was er im Laufe des Tages mit der ganzen komprimierten Luft noch so anstellt.

Und weiter geht’s mit den praktischen Alltags-Tipps: ihr habt circa acht Kubikmeter Sperrmüll in der Garage stehen, die kein Flohmarkt der Welt mehr annehmen würde und die bei näherer Betrachtung bereits Stufe zwei des unumgänglichen Verfallsprozesses durchlaufen haben? Dann solltet ihr vielleicht einmal Marc Einsiedel von Woolwill kontaktieren. Der hat nämlich gerade ungefähr diese Menge an Altholz in die Location getragen, um damit eine Art Stadt in der Stadt zu erreichten – mit Vorgärtchen, kleiner Bar und frei zu interpretierenden “Gebäudekomplexen”.

Der Modedesigner Vladimir Karaleev scheint hingegen angetreten zu sein, rohes Holz in feinen Zwirn zu packen und fungiert so als Styling-Experte für grobschlächtige Kisten. Klingt irgendwie nach Fotoshooting für ein hier ansässiges Männermagazin, ist aber viel lustiger anzuschauen und hat dabei eine ganz eigene Art von Erotik, die sich mir sicherlich im Laufe des Tages noch erschließen wird.

Sich wirklich erschließen werden sich die meisten Arbeiten hier wohl erst in ein paar Stunden, wenn um 20.00 Uhr Einlass für die Besucher ist. Bis dahin darf jedoch weiter gemutmaßt, gerätselt und – ganz im Sinne des Projekts – frei interpretiert werden. Besonders gespannt bin ich, wenn um 17.00 Uhr der große, große Grandmaster Flash zum Soundcheck vorbeikommt. Dies dürfte dann ungefähr die 25. Begegnung der dritten Art sein, die ich heute erlebt habe. Aber bestimmt nicht die letzte.
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12.11.09
kerstin
mit ‘ner doppelration wickdaymed und dem ICE könnte ich es grad noch schaffen… klingt supergeil, wäre so gern dabei! vor allem beim soundcheck. macht fotos!!!