Ich hatte neulich das Vergnügen, auf einer Veranstaltung zu sein auf der Aram Bartholl eines seiner Projekte vorstellte. Und was der Medienkünstler macht, sind immer spannende Ideen zu verwirklichen, die eine Schnittstelle zwischen den virtuellen Räumen, in denen wir uns mittlerweile selbstsicher bewegen, und der Realität da draussen bilden. Da er vielleicht nicht jedem bekannt ist, präsentiere ich hier einmal ein paar seiner Arbeiten. Wer mehr wissen und sehen will, der ist mit seiner sehr übersichtlich gestalteten und ausführlichen Seite bestens beraten.
- 0,16
Ein immer wiederkehrendes Motiv in Aram Bartholls Arbeiten sind verpixelungen. So hat er zum Beispiel vor Jahren einmal eine Art Rahmen gebaut, den man auf den Fernsehbildschirm packt und der einem das Bild gröbstens Verpixelt, so das eigentlich nur noch farbige Quadrate übrig bleiben. Gerade analog verpixelungen zu generieren ist eine spannende Idee, die er in einer seiner neuesten Arbeiten perfektioniert hat. 0,16 ist eine grosse Pixelwand, die von hinten beleuchtet wird und dadurch die Formen, die sich zwischen ihr und der Lichtquelle befinden, grob wiedergibt. Zum Glück muss ich das nicht nur erklären, sondern gibt es auch ein Video dazu:
[VimeoDirektNull,16]
- Are you human?
Jeder, der sich im Netz bewegt, stolpert des öfteren über Captchas. Das sind diese kleinen EIngabemasken in die man die vorgegebenen Buchstaben und Zahlenfolgen eingeben muss, damit der Computer sicher sein kann, das man ein menschliches Wesen ist und kein Bot der Spams verschicken will. Dafür wird jedesmal extra ein neues kleines Bildchen generiert, da so keinem anderen gleich ist. Sprich: Wenn man den Code eingegeben hat und auf weiter drückt, ist das Bildchen weg. Für immer. Es hat seinen Dienst getan. Wird nicht mehr benötigt.
Nun gibt es zwei besondere Aspekte an Bartholls Beschäftigung mit den Captchas:
Erstens hat er einige konserviert. Hat sie aufgehoben, abgespeichert, verfügbar gemacht. Und die somit vor dem digitalen Nirvana gerettet, in ihrer Einzigartigkeit.
Zweitens hat er das aber nicht nur getan, um sie aufzubewahren, sondern auch noch für einen ganz konkreten Plan, nämlich um zu sehen wie sie sich ins “echte” Leben integrieren lassen. Und dabei ist er über einen sehr spannenden Aspekt gestolpert:
Ja, ich musste sie auch erst suchen. Die Captchas sind also den “Tags” aus dem Graffitti nicht ganz unähnlich. Sogar in ihrer Funktion als “Gatekeeper”. Nur die einen eben auf den Strassen und die anderen im virtuellen Raum. Die Arbeit ging noch weiter, bis hin zu Visitenkarten, aber das schaut man sich am Besten gut dokumentiert auf der Seite selber an. Super Idee!
- Friends
Friends ist eine Arbeit, die ich gerne und sofort jederzeit und überall verfügbar hätte. Es geht darum soziale Netzwerke zu analogisieren. Bei Friends kriegt man ein eigenes Heft und einen eigenen Stempel. Und dann kann man Freunde suchen und sammeln, die dann in dem Heft einen Fragebogen ausfüllen und noch Platz haben ihren eigenen Stempel zu hinterlassen.
Sehr detailgetreue, schöne Gute-Laune-Arbeit, die ebenfalls aufzeigt, wie wenig weit weg wir uns mit Facebook, StudiVZ und co eigentlich von den klassischen Steckbriefbüchern aus der Schulzeit entfernt haben. Ich würde sagen: Offensichtlich gar nicht. Die Mittel sind nur andere geworden.
Alles in allem sind das ganz fantastische Arbeiten, die einem Zusammenhänge aufzeigen, die man so vielleicht vorher noch nicht wahrgenommen hat. Angenehmerweise ohne den erhobenen Zeigefinger, der einen immer vor den Gefahren der totalen Vernetzung warnen soll. Hier hat jemand Spass an neuen Möglichkeiten und lotet diese aus, blickt dahinter und übersetzt sie in den (analogen) Alltag. Wäre Kunst doch nur öfter so…
abgelegt in: Berlin, Kunst und Design ![]()































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