Computerwissenschaftler und Künstler Stephan Baumann ist ein Nerd. Naja, jetzt nicht bloß ein Nerd, der an seinem Rechner sitzt und auf die neue Ubuntu-Version wartet, sondern ein Nerd with Attitude, sozusagen. (N.W.A. anyone?) Denn er schafft es seinen Nerdism auf einem künstlerischen Level auszuleben. Das ist schon ein eher seltener Fall. Auf seinem Blog hat er einst ein Manifest verfasst, das sehr viele lesenswerte Punkte hat über seinen Ansatz zwischen Kunst und Wissenschaft. Sein Selbstverständnis bringt er darin wie folgt auf den Punkt:

„I was educated and trained to be a scientist to understand the world. I am not able to understand the world by scientific methods. But I am very curious to abuse science as a playful ingredient for my egocentric mashups of commodities, patterns and readymades out of the ordinary. It feels like playing with lego bricks back in the innocent days of childhood. You may call it art but you don’t have to.“

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Damit war die Marschrichtung auf dem Workspace schonmal ganz gut vorgegeben, für Baumanns Arbeit. Er richtete sich im TTT ein kleines Studio ein, in dem er dann seine Arbeit produzierte. Die ist sehr theoretisch, gleichzeitig aber auch sehr präsent. Einmal tief Luft holen, dann kann ich sie euch erklären:

Auf seinem Blog schreibt er über das Ziel seiner Arbeit:

I thought it could be an interesting idea to create customized highly intimate and personal sonic auras.

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Und um das zu erreichen machte er folgendes:
Er hat das Tempo des Herzschlags der Leute gemessen, durch Puls fühlen. Diesen Rythmus hat er dann als Audiofile generiert, durch frei verfügbare Herzschlagsounds. Als Nächstes wurden die Leute gebeten, einen Satz ins Mikrofon zu sprechen, der sie charakterisiert, der zu ihnen passt, der einfach ihrem sozialen Profil entspricht, und das wurde mit dem Herzschlagfile gemsicht. Das war dann die von Stephan Baumann sogenannte “Sonic Aura”. Das ganze spielte er dann auf einen kleinen MP3-Player, an dem kleine Aktivboxen angebracht waren und dieses Gerät wurde den jeweiligen Leuten um den Hals gehangen. Ihre “Sonic Aura” lief im Dauerloop, sie trugen sozusagen ihre soziale Komponente (oder ihr Geheimnis) spazieren und schufen somit eine spezielle, audiophile, eben “Sonic Aura” um sich herum, da ja jeder hören konnte, was da aus den kleinen Boxen kam, wenn man nur nah genug an der Person stand. Wow!

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Laut eigener Aussage hat Stephan an dem Tag nonstop 15 dieser Buttons produziert und war danach erstmal total geschafft. Das kann ich mir vorstellen. Soviele Geheimnisse zu hören, so viele Leute zu erleben, die Intimes erzählen und das ganze noch in einem Surrounding wie diese Party: Das stellt die eigene Konzentrationsfähigkeit auf eine harte Probe. Aber er ist glücklich mit dem Resultat und ich bin ein bisschen traurig, dass ich mir nicht auch so ein Teil hab machen lassen. Denn der Gedanke dahinter ist grossartig: Es macht eine virtuelle Selbstverständlichkeit greif- und erlebbar.

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Und so sah das dann aus, wenn man sein Profil aufsprach. Ich mag die Idee dahinter. Ich mag das Spezielle dieser Arbeit. Und wenn man seinen Blogeintrag liest, so hat ihn das auch wieder dazu inspiriert, weitere, neue Sachen zu machen. Eine klassiche Win-Win-Situation für die Workspacebesucher und den Künstler. Mehr kann man nicht verlangen.

 

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