Es hat lange keine Band gegeben, die den Weg vom Insider- zum Konsensstatus in so kurzer Zeit absolvierte wie The xx. Nicht nur das, sie sind auf dem besten Weg, die Popkultur des laufenden Jahrzehnts nachhaltig zu prägen. Das massive Medienecho und die Leichtigkeit, mit der sie immer größere Hallen ausverkaufen (gerade heute ist es das Berliner Astra, und zwar gleich zwei Mal hintereinander) sprechen da eine eindeutige Sprache. Was diese geradezu hürdenlose Erfolgsgeschichte antreibt, ist schwer zu erklären.

Natürlich ist ihr Debütalbum außerordentlich gut. Natürlich ist es etwas besonderes, ein außerordentlich gutes und reifes Debütalbum von ein paar Teenagern serviert zu bekommen. Dennoch liegt das besondere Moment dieser Band gewissermaßen im Dunklen. In der dunklen Aura ihrer Soundästhetik, in der Inszenierung des Uneindeutigen, das beim Bandnamen anfängt und schließlich von einem entsprechenden Artwork eingerahmt wird. Die ikonische Wirkung ist im Albumcover bereits angelegt und wir alle wissen ja, welchen Geltungsantrieb es haben kann, wenn ein visuelles Dokument der Kontextualisierung und einer gewisse Einwirkzeit ins kollektive Gedächtnis ausgesetzt ist. Warhols Campbell Dosen haben die Studenten WG-Wände ja auch nicht in Wochenfrist erobert.

Es ist zu beobachten, dass sich das ganzheitliche Image, die Bildsprache der Band immer weiter verfeinert. Einen Anteil daran hat der Musikvideokünstler Saam Farahmand, der unter anderem bereits mit den Klaxons, mit Hercules & Love Affair oder Simian Mobile Disco zusammen gearbeitet hat. Seine jüngste Arbeit ist eine das Album „XX“ aufgreifende Videoinstallation, bestehend aus drei schwarzlackierten Säulen, die qua Flatscreen und eingelassenem Verstärker jeweils ein virtuelles The xx-Mitglied verkörpern. In einem Endlosloop läuft eine Performance des kompletten Albums, die es dem Zuschauer erlaubt, zwischen den drei Akteuren hin und herzuspringen und, wie es heißt, auf „ungekannte Weise in das Album einzutauchen.“



Farahmand legt nahe, die Installation losgelöst vom nahe liegenden Kunstverdacht zu begreifen: „Es ist im Wesen ein physisches Musikvideo. Es muss uns klar sein, dass diese Art von Popup-Räumen so normal wie die gewohnten Musikvideos werden sollte und es auch wird. Sie überbrücken die Zeit, bis es uns technologisch möglich ist, die 3D-Erfahrung mit unserem Computer zu streamen als sei es ein Youtube-Clip.“

In Anbetracht der Tatsache, dass auch die live-Auftritte der Band eher ins statische tendieren, kann man fast behaupten, all diejenigen, die für die heutigen Konzerte im Astra keine Karte mehr bekommen haben, werden durch einen Besuch dieser Ausstellung bestens versöhnt. Xx: a sculpture of the album ist noch bis zum 25.01. im .HBC Berlin (Karl-Liebknecht-Straße 9) zu sehen.

 

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