Das Wort Architektur bezeichnet im weitesten Sinne die Auseinandersetzung des Menschen mit gebautem Raum. In der heutigen Zeit geschieht das in der Regel in Verbindung mit Maschinen. Im 13. Jahrhundert sah das noch etwas anders aus. Obwohl die Menschen sich damals komplett auf ihr handwerkliches Geschick und ihre Muskelkraft verlassen mussten, entstanden faszinierende Gebäude wie die Bete Giyorgis.

Dabei handelt es sich um eine von elf Felsenkirchen, die in der heiligen Stadt Lalibela in Äthiopien erbaut wurden. Die Gebäude gehören zu den größten von Menschen aus Stein gehauenen monolithischen Strukturen der Welt, wobei Bet Giyorgis die bekannteste und am besten erhaltene ist.

Bis zu 800 m² groß und 10 Meter hoch wurde jede einzelne aus der umgebenden Felsformation aus roter Basaltlava herausarbeiten. Die Kirchen sind durch ein Labyrinth von Tunneln, Korridoren und Brücken miteinander verbunden.

Bet Giyorgis wurde in Form eines Tempelkreuzes angelegt. Es gilt durch seinen Grundriss in Gestalt dreier verschachtelter Kreuze als Meisterwerk der Kunst Lalibelas. Über hundert Jahre wurde an der kompletten Anlage gebaut. 1978 ernannte die UNESCO die Felsenkirchen zum Weltkulturerbe.

Lalibela liegt circa 2500 Meter über dem Meeresspiegel, am Fuße des Mount Abune Yousef. Der Ort hat über 8.000 Bewohner und ist ein Pilgerort für viele Christen.

Wer gerne reist und keine Lust auf die 0815 Städte wie New York oder Paris hat, sollte Lalibela und seine 11 Felsenkirchen ganz oben auf die Wunschliste schreiben.

Via: Ffffound

 

Schnapszahl! Prost! Man muss die Feste feiern wie sie fallen…:) (Trotz, huuuuuhuuuu, Freitag, dem 13.!!!!)

- Da war also dieser Typ in Antwerpen. Und der hat sich ein Fahrrad gekauft. Und das wurde geklaut. Und dann hat er sich wieder eins gekauft. Und das wurde wieder geklaut. Und dann hat er sich noch eins gekauft. Und das wurde auch wieder geklaut. Und da kam er auf den Trichter, das irgendwas faul sein muss. Und dann hat er entdeckt, woran es liegt und beschlossen es via YouTube mit der ganzen Welt zu teilen. Und ich muss immernoch kichern.


[YouTubeDirektAbschrauben]

- Ein Text gegen Fereinhäuser. Gut begründet und von der tollen Sibylle Berg. Zwar schon was älter, aber dennoch super und mit meinem neuen, abslouten Lieblingszitat: “Irgendwie fand da zu viel Holz statt.

- Jemand fliegt von New York nach Berlin. Kommt täglich vermutlich ziemlich oft vor. Wenn dieser jemand aber zufällig absolut grossartig zeichnen kann, ihm zufällig auf dem Flug auch noch absolut langweilig ist und er seine Stifte und ein Skizzenbuch zur Hand hat und sich dann noch die Mühe macht, das nach dem Flug alles einzuscannen: Dann hat man dieses grossartige Ergebnis aus der Feder von Christoph Niemann: “What to do on a flight from New York to Berlin?

- Das hier wird das Cover des neuen Weezer-Albums

Für alle normalen Menschen wie mich, die nie “Lost” geguckt haben, mindestens verstörend. Mehr Infos bei Pitchfork.

- Das neue Fanta 4-Video mit Florian Lukas ist wirklich super. Echt! Gucken!


[YouTubeDirektDanke!]

Bis Montag! Ahoi!

 

Ich steh ja auf Kunst im öffentlichen Raum. Na gut, das ist etwas zu allgemein formuliert. Ich steh auf gute Kunst im öffentlichen Raum, die sich für mich in erster Linie dadurch auszeichnet, das sie sich ihrer Umgebung anpasst und erst auf den zweiten Blick entdeckt werden kann, anstatt sich wie ein Alien zu verhalten, das sich ins Auge des Betrachters drängt und schreit: BEACHTE MICH! Das ist vielleicht eine etwas konkretere Beschreibung. Stimmt vielleicht auch nicht hundertprozentig, kommt meiner Vorliebe aber dennoch deutlich näher. Oder, um es noch konkreter zu machen: Ich liebe die Arbeiten von Helmut Dick!

Helmut Dick ist 1969 in Bonn-Duisdorf geboren – übrigens 7 Jahre bevor ich genau an dem gleichen Ort zur Welt gekommen bin. 2001 hat er dann seinen “Master of fine Arts” in Amsterdam gemacht und seitdem schon so einige Installationen in die Öffentlichkeit integriert. Dazu gehören so schöne Sachen wie eine “FC-Hochburg“, die mich als Köln-Fan natürlich besonders freut oder sehr gelungen finde ich auch die “Sheep-Prothesis“, bei der jemand mit einem halben Schaf an Stelle des Kopfes rumläuft (da bekommt der Name “Schafskopf” eine völlig neue Bedeutung…:)).

Meine absolute Lieblingsarbeit aber ist “The single Family-House Rhizome“, eine Installation wie ich sie, wie eingangs erklärt, besonders gerne mag. Denn im ersten Moment hält man sie gar nicht für ein Kunstwerk oder etwas bewusst künsterlisches. Vermutlich fällt sie einem als erstes gar nicht besonders auf und wenn, dann könnte man meinen, das ist ein Behälter für, meinetwegen, Salz im Winter, oder sowas.

In Wirklichkeit ist es aber eine Art Fortsatz. Und zwar des Hauses gegenüber. Nur eben noch nicht ausgewachsen. EIn kleiner Ableger. Aus dem vielleicht mal ein großes Haus wird, man kann sich aber nicht so sicher sein. Die kleine Version hat alles, was die große auch hat: Die gleiche Farbe auf dem Putz, ein kleines, sorgfältig gedecktes Dach und ein kleines Fenster mit den gleichen Rolladen davor. Nur ist es eben auf der anderen Strassenseite. Nicht mehr auf dem gleichen Grundstück. Und nicht mehr fester Bestandteil des “Mutterhauses”.

So eine Arbeit lässt sich natürlich auf vielfältige Weise lesen. Es geht um Verbreiterung von Lebensraum, vom menschlichen okkupieren neuer Räume zum Beispiel. Es kann aber auch als Kritik an dieser schrecklichen Neubau-Architektur gelesen werden, da die Arbeit in einer anscheinend komplett neu erstandenen Siedlung steht. Vielleicht ist das aber auch sehr persönlich gemeint: Ich mag ein Haus haben, das heisst aber nicht das ich mich nicht noch erweitern könnte. Optisch ist die Arbeit sicher unspektakulärer als zum Beispiel das Schaf, das in einer Kiste den Fluss runtertreibt, hat aber für mich so viele Ebenen, das ich mir da stundenlang meine Gedanken zu machen könnte. Weitere Arbeiten bitte auf Helmut Dicks Seite bestaunen. Die einzige Frage, die sich mir noch stellt ist: Was machen die Hebammen in Bonn-Duisdorf anders? :)

[Gefunden via Ignant]

 
 
Herm

Herm schrieb am 11.08.2010:

Ab zum Müllcontainer

 

[1 Kommentar]



Während die Tage hier so langsam aber sicher wieder kühler und kürzer werden, wird New York von einer anhaltenden Hitzewelle heimgesucht. Während manch einer bei drückender Hitze so gar nicht mehr denken kann, haben Bürgermeister Michael R. Bloomberg und sein Team einen ganz besonderen Plan aufgestellt um den Bewohnern New Yorks eine kleine Abkühlung zu bieten: Sie ließen allerhand große Müllcontainer reinigen und zu Swimming Pools mitten in Brooklyn umfunktionieren.

 

Ich bin ganz ehrlich gesagt nicht so der Einrichtungstyp. Da fehlt mir vermutlich ein Gen zu oder sowas. Ich habe früher immer nach der Maxime gelebt: Wo mein Fernseher steht, da bin ich auch zu Hause. Aber man wird ja älter und manchmal eben auch weiser. Dennoch:

Ich bewunder immer Leute die total stimmig und richtig eingerichtet sind und die sich aber scheinbar gar keine grossen Gedanken darüber gemacht haben. Für die ist das eben normal, stylisch zu wohnen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, eines Tages auch toll zu wohnen. Und sollte ich es nicht allein schaffen, dann mit professioneller Hilfe.

Vor ein paar Tagen bin ich auf dieses äusserst lesenswerte Interview bei “Freunde von Freunden” mit Axel van Exel gestossen. Und abgesehen von den hammerstylischen Fotos bei ihm zu Hause, die genau das zeigen, wie ich wohnen möchte, fand ich folgende Passage im Interview auch noch ausderseelesprechend:

“Ein isländisches Kuratorenpärchen hat uns einmal ihr Vertrauen und den Schlüssel zu ihrer Wohnung gegeben und gesagt: Macht mal, wir sind in 3 Monaten wieder zurück. Ich mag Kunden nicht, die sagen. Ich hab den Tisch gesehen. Bau mir den mal nach. Da muss man aufpassen. Nachbauen geht halt nicht.”

Genau so stell ich mir das auch vor! Hier habt ihr Schlüssel und Budget, jetzt überrascht mich mal. Also habe ich mir nach dem Interview die Seite von van Exel zusammen mit seinem Kumpan Neulant angeguckt und was soll ich sagen: Fantastsiche Arbeiten, die die Grenze zwischen Kunst und Design nicht nur umschiffen, sondern gleich komplett ignorieren. Genauso muss das sein. Mein absoluter Favourite auf ihrer Seite: Die 1,60-Meter hochgelegte Badewanne mit rot gesteppten Wänden aus LKW-Plane. Wie verdammt cool ist das bitte schön?


[Foto von Eva Olibet]

Also, der Plan ist folgender: Ich werde jetzt reich, dann miet ich mir ein schönes Loft und bevor da irgendwas reinkommt schick ich den Jungs ne Mail und lad sie ein. Und wenn sie fertig sind, dann lad ich euch alle zur Einweihung ein, okay? Mir ist mit meiner Entdeckung von “Neulant van Exel” auf jeden Fall ein Stein vom Herzen gefallen, denn nun weiss ich: Es gibt auch Hilfe für Einrichtungs-Analphabeten wie mich. Hurra!

 

Ich habe mich neulich mit meinem Vater über Ausbildungen unterhalten. Über die, die er früher gemacht hat und die, die ich nie gemacht habe. Nach einiger Zeit sind wir beide unter Anderem zu dem Entschluss gekommen, das die Zimmermannausbildung wohl einer der besten ist, weil sie echt und lebensnah ist und nicht nur irgendwelches Fachwissen vermitteln möchte, sondern auch soziale Skills lehrt. Die “Walz” wäre zumindest eingutes Vorbild für so viele andere Berufe, schade das es die da nicht gibt.

Wenn einen aber niemand auf die Walz schickt, dann schickt man sich eben selbst. Und wenn man sich dann noch so einen Eigenauftrag wie Roland Roos ausgedacht hat und diesen so ausführlich dokumentiert, dann kann daraus ein kleines Meisterwerk entstehen.

free repair” heisst die Arbeit von Roos und hat zwei Jahre lang gedauert. Dafür ist er durchs Land gezogen und sobald er etwas gesehen hat, das defekt war, hat er es fotografiert, repariert und nochmal fotografiert um eine Vorher-Nachher-Gegenüberstellung machen zu können. Nochmal: Er hat Sachen repariert, um die ihn niemand gebeten hat. Wenn er etwas defektes entdeckte, hat er nur im eigenen Auftrag gehandelt und es repariert. Umsonst. Ohne Gegenleistung. Einfach weil etwas, das kaputt ist, ja nunmal repariert werden muss. Und er hat dabei eine unglaubliche Liebe zum Detail entfaltet. Manchmal hat er nur ein Steinchen in einem Mosaik nachgebessert, das rausgefallen war, manchmal hat er aber auch aufwendigere Sachen gemacht, wie ganze Gitter zu erneuern, zum Beispiel.

Dabei sind eine ganze Menge dieser Gegenüberstellungsbilder entstanden, die man auf seiner Seite auch kaufen kann. Ein paar besonders schöne Exemplare der 99 Reperaturen, die er ausgeführt hat, sind noch zu haben. Und ich überlege tatsächlich, welches ich mir zulegen soll, einfach weil ich die Idee und die Ausführung dieser Arbeit so fantastisch finde, das ich dem Künstler etwas zurückgeben möchte. Denn was ist ein grösserer Beitrag zum friedlichen Zusammenleben, als “free repair”?

 

Nächste Woche ist wieder selbermachen angesagt, in Berlin. Denn dann findet wieder die DMY statt, eines der innovativsten, internationalen Designfestivals. Vom 9. bis 13.6. treffen sich Designer und solche die es werden wollen (und sicher auch viele, die von ihnen profitieren oder profitieren wollen) im Flughafen Tempelhof um sich neue, innovative, aufregende, bekloppte oder geniale oder alles zusammen Entwürfe zu zeigen. Nun mittlerweile schon zum achten Mal. Eine Jury wird gegen Ende des Festivals drei Arbeiten prämieren, die sie für besonders resp. prämierenswert hält. Nominiert ist unter anderem diese grossartige Installation eines österreichisch-kroatischen Kollektivs, das mit Klebeband neue Räume in Räumen erschafft. Yeah! Klebeband!

Wirklich spannend ist natürlich der Part der ganzen Konferenz, in dem es konkret ums gestalten, ums mitmachen geht. Den gubt es auch und er hört auf den Namen “Maker Lab” und wir sind ehrlich gesagt ziemlich stolz, diesen Part mit zu präsentieren. Dabei ist auch wieder Luis Berríos-Negrón, der ja schon unsere Workspaces Ende letzten Jahres kuratiert hat. Und er hat, u.a. auch wieder das “Turtle two”-System dabei. Ihr wisst schon: Dieses Raum-System, das die Künstler benutzen konnten, wie sie wollten. Dieses Jahr hat er auch noch das “Turtle three” im Gepäck, man darf also gespannt sein.

Das Besondere am “Maker Lab” ist, das es verschiedene Ansätze hat, die für einen Workshop auf einem so fetten Designfestival wohl eher ungewöhnlich sind. So wird zum Beispiel die Idee des “Open Design” sehr stark in den Vordergrund gestellt, also Design, das jeder für sich nutzen und weiterentwickeln darf. Crowdsourcing um das Beste rauszuholen, ähnlich wie Linux. Ausserdem ist der Workshop offen für jeden, das heisst kein elitäres unter-sich-bleiben, sondern die Hoffnung möglichst viele Impulse auch von Aussen zu bekommen um das perfekteste Design hinzubekommen. Dabei stellt das Maker Lab viele Möglichkeiten zur Verfügung. Ich zitiere mal aus dem Festivalkatalog:

- Fablab
Die Workshop-Stationen geben Einblick in verschiedene Herstellungsprozesse wie Laserschnitt, Elektronik, Bioplastik, Kartonmodellbau und laden ein, bereits begonnene Prozesse weiterzuentwickeln oder neu zu beginnen in einem fortwährend, sich iterierenden Prozess.

- Bioplastics
Die Station zeigt, wie sich Bioplastik mit einfachen Materialien aus dem Supermarkt, Drogerien oder dem eigenen Wäschekorb herstellen lässt. Man kann eigene Lampenschirme, Hocker und Stühle aus Bioplastik gestalten oder gemeinsam nach neuen Möglichkeiten der Anwendung und Materialkombination forschen. Gemeinsam werden Produkte erarbeitet, die einfach nachzubauen sind.

- Wearable Gaming
Wearable Gaming erforscht das Potential tragbarer Technologien. In kleinen Projektabschnitten werden glühende Blumen oder Fingerpuppenmonster gebaut, die erröten oder zittern können. Ein längerfristiges Projekt erforscht die Kombinationsmöglichkeiten leitungsfähiger Materialien und die Einbindung in tragbare Stücke.

- Vacuum Molding
Die DIY-Vakuumform Session zeigt eine nachhaltige Low-Tech-Methode, um Thermoplaste in filigrane, doch akkurate Produktteile zu verarbeiten. Der Workshop beginnt mit beispielhaften Implementationen, ohne damit experimentelle und spielerische Ansätze einzugrenzen.

- Electro-Textiles
Neue Materialien wie Elektrotextilien, eigene Stoffentwürfe oder die Grundlagen für Bioplastik-Möbel können am Laser-Cut-Webstuhl hergestellt werden. Die gewonnenen Materialien können darüber hinaus als Grundlage zur Herstellung von Bioplastik-Möbeln dienen. Traditionelle Herstellungsverfahren werden mit neuen Instrumenten bespielt.

- Open Design
Was bedeutet Open Design für die Gesellschaft , die Kunst, den Handel und den Rest der Welt? Der Open Space bietet einen Ort für den Austausch von Ideen und Ansichten und ermöglicht einen fortlaufenden Diskurs im Zentrum des Geschehens.

Ich erwarte Grosses und freue mich schon da mal vorbei zu gucken. Hört sich alles sehr spannend an. Oder, um es mal etwas moderner auszudrücken:

DMY FTW!

(Das genaue Programm zum Maker Lab findet ihr hier)

 

Wir erinnern uns an die Worte des wohlbekannten Literaten und Pubertätbegleiters Hermann Hesse, der einstmals voller Durchblick feststellte: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Ein Spruch, den man in jedem Poesiealbum auf dieser Welt findet und den man immer mal wieder als sichtbare Tätowierung an Menschen mit Tiefgang antrifft, zumeist in eine Sprache übertragen, die nicht die Muttersprache des Tätowierten ist. Also: eine etwas abgenutzte Moral, aber wie es so ist mit den viel zitierten Weisheiten – sie sind es nicht ohne Grund.

Ein Anfangszauber ganz besonderer Qualität steht mir gerade kurz bevor, es ist der des Wohnungswechsels. Weniger zauberhaft sind freilich die blauen Flecken, der Muskelkater und die übrigen Blessuren, die der Umzug an sich verspricht. Doch ist man schließlich angekommen, im größeren und neuen Raum, der gleichzeitig verspricht, das größere und neue Leben zu sein, dann regen sich ganz neue Geister. Vor allem natürlich der Einrichtungstrieb. Weil all das alte ruhig alt bleiben soll, wird es gar nicht erst mitgenommen. Ein nicht ganz so berühmter Mann wie Hermann Hesse, ein nicht minder weiser Mann allerdings, sagte gerade gestern zu mir: „Wegschmeißen, neu kaufen.“ Ganz recht. Und weil ich momentan sensibilisiert durch die Umzugsaussicht durch die Buch- und Zeitungsläden und das Internet laufe, sind mir ein paar Dinge zum Thema Einrichtung aufgefallen.

Erstens: Indie Furniture

Die genaue Mitte zwischen den Geboten der Stunde ‚Customizing’ und ‚Selbermachen’ trifft ein Schweizer Designer mit seiner Seite Indie Furniture. Die Idee ist es, sich mit einfachen Mitteln selber ein Regal zu bauen, das exakt den jeweiligen Bedürfnissen angepasst ist. Diese Bedürfnisse können in einem ‚Configurator’ in einen konkreten Bauplan übersetzt werden. Was für ein selbstloser Dienst an der Menschheit, nicht wahr? Nun, nicht ganz. Zu den wenigen nötigen Bauteilen gehören spezielle T-Beschläge, die man zu einem relativ stolzen Preis über den angeschlossenen Shop bestellen kann. Wer auf Designveredelung bei seinen Aluminiumverbindungen verzichten kann, findet sicher eine günstigere Variante im Baumarkt. Als geschmackvoll umgesetzter Ideenanstoß ist die Seite allerdings jederzeit einen Besuch wert.

Zweitens: ReadyMade – How to Make (Almost) Everything – A Do-It-Yourself Primer

Ich habe dieses Buch in dem Laden entdeckt, in dem ich normalerweise Platten kaufe. Die hier vorgestellten Einrichtungsanregungen gehen tatsächlich in die Richtung maximaler Originalitätsvorsprung durch minimalen Einsatz von Mitteln bei top Recyclingquote. Hier werden Fed Ex-Kartons zu CD-Ständern, Telefonbücher zu Kaffeetischen, Schuhkartons zu Raumtrennern, Fahrradräder zu Ventilatoren, Leitern zu Regalsubstanz, ausgediente Jeans zu Sitzsäcken und vieles, vieles mehr. Jedes Kapitel des Buches beschäftigt sich mit einem anderen Baustoff und klärt kurzweilig über dessen Besonderheiten und dessen Kulturgeschichte auf. Selbst wenn man niemals irgendetwas aus dieser Ideensammlung nachbauen sollte, ist der Ratgeber allein wegen seines Layouts und seiner Aufmachung in einem mächtigen Kartoneinband eine lohnenswerte Sache. Tatsächlich gibt das Buch alleine schon einen ausgezeichneten Einrichtungsgegenstand ab.

Drittens: Apartamento

Dieses halbjährlich erscheinende spanische Periodikum trägt den Subtitel ‚an everyday life interiors magazine’ und damit ist im Prinzip alles gesagt. Anders als bei den großen Einrichtungsmagazinen wird der präsentierte Raum nicht inszeniert, sondern in seiner Alltäglichkeit abgebildet. Apartamento trägt dabei verschiedenen Phänomenen des Zeitgeistes Rechnung: dem digitalen Voyeurismus, der Ausdruck des Bedürfnisses ist, sehen zu wollen, wie es die anderen machen (siehe z.B. auch Freunde von Freunden, Faces & Spaces oder The Selby), dem Wettlauf um Originalität und Individualismus, der sich paradoxerweise mitunter über bestimmte Statusinsignien definiert und der hipster- und popkulturellen Durchdringung jedes Lebensbereiches. In der aktuellen Ausgabe werden u.a. die Wohnräume von Chloe Sevigny und Sonic Youth vorgestellt. Eine angenehm aufgeräumt gesetzte Vorstellung von z.T. unaufgeräumten Lebensräumen, die in den meisten Fällen nicht nur sehens-, sondern auch lesenswert ist.

 
 
Lisa Rank

Lisa Rank schrieb am 30.03.2010:

Perlen für Hamburg

 

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Thorsten Keller ist 30 Jahre alt, Mediengestalter und lebt seit 9 Jahren in Hamburg. Vor kurzem hat er der Stadt mit lastagenda.de ein kleines Geschenk gemacht, das er sich selbst schon eine Weile gewünscht hat.

Was ist lastagenda.de?

Vielleicht ist LastAgenda ein Veranstaltungskalender extended. Oder ein Veranstaltungskalender, wie er in der heutigen Zeit halt sein muss, damit er für die mediale Gesellschaft einen wirklichen Mehrwert hat. Heutzutage ist ja fast jeder über Facebook und/oder Twitter vernetzt und immer mehr Leute sind im Besitz von Smartphones mit ihren elektronischen Kalendern. Und da setzt LastAgenda an.

Hu?

Naja, im ersten Schritt bekommt man eine Übersicht über alle Veranstaltungen, die zur Zeit stattfinden. Durch die einheitliche Übersicht wird dabei keine Veranstaltung hervorgehoben, ob es nun eine starbesetzte Ausstellung in der Kunsthalle oder eine Diplomausstellung im Gängeviertel ist. Wichtig ist, dass man seinen Freunden sofort von diesem Event erzählen kann. Ob bei Twitter oder Facebook. Man kann sich ein iCal-Abo für jeden Bereich abonnieren, damit alles automatisch im eigenen Kalender landet.

Oh praktisch. Aber warum umfasst LastAgenda nur oder gerade die Bereiche Architektur, Design und Fotografie?

Ich glaube, diese drei Bereiche überschneiden, inspirieren und beeinflussen sich gegenseitig. Gerade der Bereich Design umfasst so viel (z.B. Editorial Design, Produkt Design, aber auch Malerei, etc.), dass ich irgendwie eine Begrenzung in der Themenvielfalt setzen wollte und musste, damit man nicht komplett den Überblick verliert. Naja, und natürlich interessiere ich mich eben selbst besonders für Design. Ein Bereich, der mich mindestens genauso stark interessiert ist Musik. Die habe ich aber bewusst raus gelassen. Zum Einen hab ich das Gefühl, dass es da schon sehr gute Angebote gibt – und irgendwo hört’s ja auch mal auf.

Wie lange hast du gebraucht, um LastAgenda umzusetzen?

Das ging alles ziemlich schnell. Ende Oktober letzten Jahres habe ich bei einem Essen mit einem Freund das erste Mal die Idee erwähnt und den Entschluss gefasst, das ganze tatsächlich in die Tat umzusetzen. Wenn ich erst einmal so einen Entschluss gefasst habe, dann fehlt mir gänzlich die Geduld. Manch einer hätte wahrscheinlich ewig viel Zeit in die Vorbereitungen und in Marktforschung, etc. gesteckt. Aber das ist nicht mein Ding. Bei mir muss dann alles schnell gehen. Ich brauche dann schnell sichtbare Ergebnisse. Und dann war plötzlich März und Launchtermin und nun entwickelt sich halt alles stetig weiter.

Hast du ein Team, das dir hilft?

Nö, aber sehr viele, sehr nette Freunde, die ich ständig nerven und mit Fragen durchlöchern kann. Das hilft mir ungemein. Ob Texte schreiben, nachts Sticker kleben oder dass sie mir Mut machen. LastAgenda ist also eine One-Man-Show mit großer und großartiger Unterstützung.

Warum machst du das alles neben deinem Tagesgeschäft?

Hm… gute Frage. Zuerst einmal, weil ich sehr gerne auf Ausstellungen gehe, aber gerne mal daran verzweifelt bin, dass es keine Internetseite gab, dir mir den kompletten Überblick ermöglicht hat. So war ich immer auf Tipps von Freunden angewiesen oder ich hatte halt ein paar Galerien und Museen, wo ich hin und wieder geschaut habe, was dort gerade lief. Aber ich wollte das kompakt für Hamburg. Alles auf einen Blick. Und dann hab ich’s eben selbst gemacht.

Irgendwelche Ankündigungswunschvorstellungen?

Jeden und alles, was man in Hamburg zu Architektur, Design und Fotografie sehen, hören oder anfassen kann; von Jim Rakete bis Hans Wurst. LastAgenda soll eben nicht werten. Für mich bzw. LastAgenda ist jede Veranstaltung gleich wichtig. Was dem jeweiligen Nutzer von LastAgenda besonders interessiert oder frohlocken lässt, überlasse ich ihm. Mein Wunsch ist vielmehr, alles erfassen und abbilden zu können.

Jetzt mal der große Kulturvergleich: Berlin – Hamburg. Dein Fazit?

Leider waren meine bisherigen Berlin-Besuche immer recht kurz angesetzt, sodass ich eher im Stress war, Freunde und Bekannte zu treffen, als dass großartig Zeit gewesen wäre, die ein oder andere Ausstellung ansehen zu können. Klar ist Berlin von Natur aus besser bestückt, aber Hamburg muss sich keinesfalls verstecken.

Warum liebst du Hamburg?

Weil mein Sohn gebürtiger Hamburger ist. Weil Hamburg einen Hafen hat. Weil ich mich vom ersten Moment an in Hamburg zuhause gefühlt habe. Weil ich es liebe, im Sommer mit einem Bier in der Hand von der Schanze bis runter an den Hafen zu laufen. Hamburg halt.

Danke, Thorsten!

 

Mittlerweile ist es ein grosser Sport für einige geworden verlassene Gebäude aufzusuchen und dort zu fotografieren. So habe ich schon Schlösser oder Sanatorien gesehen, verlassene Schulen in denen die Bücher noch rumlagen oder den häufig fotografierten und auch schon in Musikvideos auftauchenden, vor sich hinverrottenden Spreepark im Herzen Berlins. Und immer ist es faszinierend, sich diese Bilder anzugucken. Weil die natürlich ganz viel erzählen. Weil man sich fragt, warum da alles liegen gelassen wurde. Und man unwillkürlich damit beginnt, einen kleinen Film im eigenen Kopf abzuspielen, wie es da wohl ausgesehen hat, als noch Leben in der Bude war. Wie gesagt: Kopfkino par excellence.

Nun bekommt das ganze aber eine neue Qualität. Denn der in Japan lebende Fotograf Michael John Grist fotografiert nicht nur Ruinen in Japan, er fotografiert ganze Geisterstädte. Davon gibt es wohl mehrere, wie er auf seiner Seite erklärt:

In actuality, though, there are far more dark spots on the map than you’d imagine. The general view that every square inch of land is worth a bazillion dollars is just not true. There are gaps in the façade that whole towns have fallen into, along with bizarre abandoned theme parks, ruined U.S. Air Force bases, and the tawdry remnants of pay-by-the-hour love hotels.

Diese Städte nennt man wohl Haikyo, das japanische Wort für “Ruine”. Und die Fotos die Grist in diesen Ruinen macht, sind mehr als beeindruckend. Da stehen noch ganze Exponate in irgendwelchen Museen rum und die Verlassenheit der Städte bedrückt und zieht zugleich an. Wirklich fantastische Bilder und wer auf seine Seite geht, der hat eine Menge zu stöbern und zu gucken. Great work!