Nilz Bokelberg

Nilz Bokelberg schrieb am 05.03.2010:

Japanische Geisterstädte

 

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Mittlerweile ist es ein grosser Sport für einige geworden verlassene Gebäude aufzusuchen und dort zu fotografieren. So habe ich schon Schlösser oder Sanatorien gesehen, verlassene Schulen in denen die Bücher noch rumlagen oder den häufig fotografierten und auch schon in Musikvideos auftauchenden, vor sich hinverrottenden Spreepark im Herzen Berlins. Und immer ist es faszinierend, sich diese Bilder anzugucken. Weil die natürlich ganz viel erzählen. Weil man sich fragt, warum da alles liegen gelassen wurde. Und man unwillkürlich damit beginnt, einen kleinen Film im eigenen Kopf abzuspielen, wie es da wohl ausgesehen hat, als noch Leben in der Bude war. Wie gesagt: Kopfkino par excellence.

Nun bekommt das ganze aber eine neue Qualität. Denn der in Japan lebende Fotograf Michael John Grist fotografiert nicht nur Ruinen in Japan, er fotografiert ganze Geisterstädte. Davon gibt es wohl mehrere, wie er auf seiner Seite erklärt:

In actuality, though, there are far more dark spots on the map than you’d imagine. The general view that every square inch of land is worth a bazillion dollars is just not true. There are gaps in the façade that whole towns have fallen into, along with bizarre abandoned theme parks, ruined U.S. Air Force bases, and the tawdry remnants of pay-by-the-hour love hotels.

Diese Städte nennt man wohl Haikyo, das japanische Wort für “Ruine”. Und die Fotos die Grist in diesen Ruinen macht, sind mehr als beeindruckend. Da stehen noch ganze Exponate in irgendwelchen Museen rum und die Verlassenheit der Städte bedrückt und zieht zugleich an. Wirklich fantastische Bilder und wer auf seine Seite geht, der hat eine Menge zu stöbern und zu gucken. Great work!

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Nilz Bokelberg

Nilz Bokelberg schrieb am 26.01.2010:

Open Design: Möbel für Alle!

 

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Wer kennt das nicht: Die Suche nach dem einen, dem besonderen Möbelstück. Man will nicht immer nur alles mit Ikea eingerichtet haben, und doch am Ende ist der Weg zu dem Schweden immer der einfachste, anstatt die ganze Stadt (womöglich auch noch erfolglos) nach einer schönen Kommode oder einem coolen Tisch abzugrasen. Klar, ein paar “Erbstücke” sammeln sich bei einem auch noch an, aber individuell sieht anders aus. In etwa so:

Kadushin-BIRD_TABLE_2-300dpi

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Thomas Praus

Thomas Praus schrieb am 05.01.2010:

Parkour als animiertes Flipbook

 

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Parkour ist ohne Zweifel eine beeindruckende und ehrfurchterbietende Großstadtsportart. Die Verletzungsgefahr springt so präsent mit wie wohl sonst nur beim Freeclimbing. Im folgenden Video ist die Gefahr gebannt: Der Protagonist bewegt sich nur virtuell über eine Reihe von Zetteln. Der Parkour ist gezeichnet und wird über verschiedene, miteinander verklebte Papiere animiert. So könnte ich mir das auch vorstellen. Leider kann ich nicht so gut zeichnen.

parkour motion reel from saggyarmpit on Vimeo.

[via Suchablog]

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Inken Helldorfer

Inken Helldorfer schrieb am 10.12.2009:

Open Doors Frankfurt 2009 – Bericht einer Beteiligten, Pt. 3

 

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5.Stock

Sandra Kranich – Künstlerin und Pyrotechnikerin

Auf den ersten Blick scheint es, als ob Sandra Kranich Klorollen sammelt, die sie zu wuchtigen Objekten zusammendrahtet. Das seltsame daran ist aber, dass diese Objekte an einigen Ecken und Kanten abgefetzt sind und Schmauchspuren aufweisen.

09_Sandra Kranich_00

Ehe ich meinen Klorollengedanken aussprechen kann, kracht und zischt es mir um die Ohren. Ich liege so was von daneben – die Strafe folgt geräuschvoll auf dem Fuße. Auf ihrem Arbeitstisch steht ein Bildschirm auf dem sie Videomaterial von Feuerwerken zeigt. Ihre Feuerwerke selbstverständlich. Ich bin sichtlich beeindruckt. Wir haben eine Feuerwerkerin im Haus- wer kann das schon von sich behaupten? Während ihres Studiums der bildenden Künste hat sich Sandra mit Zeichnungen beschäftigt, deren „sich überlagernde Strukturen und geometrische Formen“ sie stark an ein Feuerwerk erinnerten. Der Wunsch „mit Licht in den Himmel zu malen und die Dunkelheit zu zeichnen“, wie sie sagte, war geboren und ebnete den Weg für eine ans Studium anschließende Ausbildung zur Pyrotechnikerin für Großfeuerwerke. Hier seht ihr Dokumentationen von zwei Projekten, die sie in diesem Jahr „abgeknallt“ hat:

Hausfeuerwerk I/ Westfälischer Kunstverein Münster 2009

Sandra Kranich Hausfeuerwerk_1

Die Zuschauer können dem Spektakel hinter Sicherheitsglas beiwohnen.

Sandra Kranich Hausfeuerwerk_3

Am Ende bleibt eine Mondlandschaft.

09_Sandra Kranich Hausfeuerwerk4

Lost Star, Feuerwerk 2nd Athens Biennale 2009

09_Kranich_loststar2

Sandras Zeichnungen beginnen schon mit dem Aufbau und der Konstruktion des Feuerwerks.

09_Kranich_Loststar 3

Uli Goll – Motiondesign

Uli ist Motiondesignerin. Aha. Was macht denn ein Bewegungsgestalter?
Uli arbeitet ausschließlich am Computer und mit dem 3 – D Programm Cinema 4 D und After Effects. Und nu? In ihrem Arbeitsraum zeigt sie ihr Showreel.

UliGoll 01

Sie bringt Häuser zum Fliegen und kleine Zuckermoleküle setzen sich zu seltsamen Gebilden zusammen, die kurz darauf zu Staub zerfallen. Ich bin angetan, denn Staub am Computer zu generieren (sacht man doch so auf Computerdeutsch, oder?) ist doch eine ziemlich figgeliensche Angelegenheit.

Uli Goll

Wieder dahemm!

Die Zeit vergeht wie im Flug. So gerne würde ich über jeden Künstler berichten. Ich denke, es leuchtet jedem ein, dass es sich dann bei dieser großen Anzahl um eine Lebensaufgabe handeln würde. Die Besucher sind, wie ich, im fünften Stock angekommen und stürmen unsere Buden. Die Leute stehen selbstverständlich Schlange an meinem Tanzpodest, jeder weiß ja, dass das Beste was unsere Füßen machen können, die Tanzerei ist.

01_Inken

Meine selbstgebackenen Kuchenblömeleins gehen weg wie warme Semmeln. Leider hat es kein Mäzen bis in das fünfte Stockwerk hoch geschafft und dennoch bin ich zufrieden. Denn ich habe viele interessante und interessierte Menschen kennengelernt. Vielen Dank für Euren Besuch – schön isses gewesen.

Bis nächstes Jahr!

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Nilz Bokelberg

Nilz Bokelberg schrieb am 16.11.2009:

Künstler auf dem Workspace Hamburg: Marc Einsiedel

 

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Wie nennt man eigentlich Strandgut in der Stadt? Straßengut? Asphaltgut? Stadtgut? Vielleicht hat Marc Einsiedel (im grauen Shirt) eine Antwort auf diese Frage. Vielleicht auch nicht, ist ja auch egal, wer will sich schon mit Begrifflichkeiten aufhalten, wenn es doch um viel mehr geht.

Als Vorbereitung für den Workspace in der Hansestadt (die übrigens auch Einsiedels Wahlheimat ist), ist er durch die Strassen gezogen und hat nach Gegenständen gesucht, die das Großstadtleben so angeschwemmt hat. Holz. Baumaterialien, die irgendwo rumliegen und von niemandem mehr benutzt werden. Die verwaist am Straßenrand im Dreck liegen. Die niemand mehr beachtet. Marc hat seinen Blick geschärft und diese Dinge nicht mehr übersehen, sondern gesucht. Und dabei eine stattliche Sammlung zusammenbekommen, die er stolz am Morgen auf den Hamburger Workspace mitgebracht hat.

Marc Einsiedel 1

Nun fragt man sich natürlich, und vermutlich auch zu Recht: Was will der mit dem Schrott? Da kann man ja höchstens noch ein schönes Feuerchen draus machen, mehr aber nicht. Nun ja, da muss ich dann doch widersprechen, vor allem in Anbetracht des Ergebnisses. Marc Einsiedel hat sich da an einem Tag eine kleine Hütte geschaffen, die er “Favela” nennt, der Name der brasilianischen Armenviertel.

Einsiedel

Und das ist ja auch auf eine Art richtig, denn die meisten Häuser in den Favelas Brasiliens sind selbstgebaut aus den Dingen, die ihre Erbauer eben so finden. Und auch was Favelas als Großes im ganz Großen machen, macht Einsiedel hier analog als ganz Kleines im Kleinen. Denn Favelas gelten immer auch als Stadt in der Stadt. Als eine Art Paralleluniversum. Favelas haben ihre eigenen Gesetze, scheren sich nicht um Konventionen oder den Staat.

So wie Einsiedel eine kleine Oase in der Ausstellung geschaffen hat. Einen kleinen Miniworkspace im Workspace, wo alles nach seiner Nase geht, nach seinen Regeln funktioniert. Hier teilt der Hausherr noch selber das Bier aus, aus seiner kleinen, bunten Hütte mit Jägerzaun. Und das ist natürlich auch ein klares Statement, der modernen Stadt gegenüber. Einerseits schotten sich die Menschen immer mehr ab, wer kennt schon seine ganzen Nachbarn aus dem Haus, in dem man wohnt. Dafür steht so eine innere Stadt ja. Aber eben auch für die Chance alles anders, vielleicht sogar besser zu machen, als es die Städteplaner und Gentrifizierungsvorantreiber vorgesehen haben. Und da schliesst sich der Kreis ja auch wieder bestens, denn Einsiedel ist sehr engagiert als Kurator im Hamburger Gängeviertel, einer Ecke die größtenteils abgerissen werden sollte um neue, sowieso größtenteils leerstehende, hässliche Glasfassaden-Büroräume zu errichten, was aber (erstmal) nicht gelang, weil sich hamburgerische Künstler zusammengetan haben und das ganze als Riesen-Atelier besetzten, wo sie seit der Besetzung eine Ausstellung nach der anderen feiern und somit beweisen sollen, das die Räume durchaus noch wunderbar genutzt werden könnten, wenn man sie denn liesse.

Marc Einsiedel 3

Die kleine Schrotthütte mit Jägerzaun davor ist politischer als man ihr ansieht. Das ist ja eigentlich das Beste. Don´t call it Trash Art. It´s a statement. Let the city live.

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Nilz Bokelberg

Nilz Bokelberg schrieb am 16.11.2009:

Künstler auf dem Workspace Hamburg: Elín Hansdóttir

 

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Es gibt ja diese Mönche in Japan, deren einzige Aufgabe es ist schöne Bilder in den Sand zu malen um sie dann, wenn sie fertig sind, wiede wegzuwischen. Das ist da eine alte Tradition. Und das ist natürlich auch seit je her ein künstlerisches Prinzip: “The way to creation is always destruction.”

Elín Hansdóttir 1

Nun kann man das natürlich irrsinnig verklausulieren und superkomplexe Zeströrungsorgien zelebrieren, die möglichst noch auf mehreren Ebenen, physisch wie psychisch, ablaufen. Oder man macht es so wie Elín Hansdóttir.

Elín Hansdóttir 2

Die in Island geborene Künstlerin, die ihr Studium in Reikjavik so wie in Berlin besucht hat, hat schon viele aufwendige Rauminstallationen gemacht. Auffällig dabei ist immer ihre Nutzung von Farben und Licht. Ihre älteren Arbeiten haben vor allem viel mit Weiß gearbeitet. Weisse Gänge ins Nichts, weisse Räume, weisse Treppenhäuser. Nun scheint die Künstlerin aber Farben für sich entdeckt zu haben. Auf jeden Fall sah es danach aus, wenn man sie beim Aufbau ihrer Arbeit auf dem Workspace beobachtet hat.

Elín Hansdóttir 3

Was Hansdóttirs Arbeiten miteinander verbindet, ist der irrsinnige Aufwand, den sie betreibt. Sei das nun in einem Leuchtturm an der Küste Islands, oder eben in einer Hamburger Location, wo mehrere Künstler um sie herum wuseln und man weiss, das ab einem gewissen Zeitpunkt auch noch Gäste aufschlagen. Aber sie hat die Ruhe weg. Und fast schon meditativ, wie eben genannte Mönche, schichtet sie bunten Stein auf Stein.

Elín Hansdóttir 4

Und lässt so eine kleine Stadt wachsen, die ein bischen aussieht wie eine Achterbahn. Das alleine ist schon Irrsinn: Etwas so fragiles wie ein Dominogebilde aufzustellen, wenn man weiss das gleich 500 Leute kommen um zu feiern. Oder sagen wir es lieber so: Es wäre Irrsinn, wenn das Ziel nur gewesen wäre, das Teil zu bauen und stehen zu lassen.

Elín Hansdóttir 7

Aber an der Stelle kommt Elíns performativer Ansatz ins Spiel: Alle Gäste werden um die Dominosteine herum aufgestellt und die wenigen, die ganz vorne sitzen, werden aktiv mit einbezogen, indem sie die Flaschen umstossen sollen, die sternförmig um die bunten Klötzchen angeordnet sind. Und es kracht und rauscht im Saal.

Elín Hansdóttir 5

Eine Stadt an sich wirkt immer wie ein festes, starres Gebilde. Im Prinzip aber sind die Einzelteile dieser Strukturen, wenn man weiter ins Detail geht, zerbrechlich. Das hat uns dieses Spektakel vor Augen geführt. Je mehr man in die Nahaufnahme geht, umso fragiler wird es. Und mal ehrlich: Dominosteine sind doch immer wieder faszinierend. Vor allem wenn sie umfallen.

Elín Hansdóttir 6

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Reinhold Koehler

Reinhold Koehler schrieb am 12.11.2009:

Workspace Hamburg gestartet

 

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Hamburg, Donnerstagmittag, Ree-Location: kein Regen, und die Frisur sitzt – noch. Wenn ich mir den Performance-Künstler Morgan Belenguer anschaue, wird er jedoch in spätestens zwei Stunden aussehen, wie ein Frettchen im Hundezwinger. Er gibt sich nämlich gerade den bizarrsten Verrenkungen hin, windet sich in und um die TTT-Installation und reibt sich an den Holzboxen als müsste er sich erst einmal den Alltag vom Rücken kratzen.

Morgan Belenguer macht sich warm

Überhaupt bietet sich dem Betrachter ein ebenso bizarres wie spannendes Bild, wenn er von der Balustrade aus in den Raum blickt. Überall wird gesägt, gehämmert, gemalt, ausgedruckt und – natürlich – diskutiert. Geordnetes Chaos nennt sich das wohl, eine Situation, in der alle versuchen, mittels eines möglichst unüberschaubaren Durcheinanders ein kreatives Miteinander zu erzeugen und: es klappt!

Workspace Ree-Location Hamburg

Wer außerdem schon immer mal einen eloquenten Mittvierziger beim Luftballon Aufblasen zusehen wollte, kommt hier im Moment voll auf seine Kosten. Der Architekt Norbert Palz macht nämlich genau das und entwickelt dabei eine Leidenschaft, an der sich so mancher Jahrmarkts-Ballonjero ein Beispiel nehmen könnte. Mittlerweile hat Palz geschätzte 78 Ballons aufgepustet und sieht trotzdem noch immer so frisch aus, als wäre er gerade auf dem Weg zur Oper. Man darf gespannt sein, was er im Laufe des Tages mit der ganzen komprimierten Luft noch so anstellt.

Norbert Palz zähmt die Luft des Raumes

Und weiter geht’s mit den praktischen Alltags-Tipps: ihr habt circa acht Kubikmeter Sperrmüll in der Garage stehen, die kein Flohmarkt der Welt mehr annehmen würde und die bei näherer Betrachtung bereits Stufe zwei des unumgänglichen Verfallsprozesses durchlaufen haben? Dann solltet ihr vielleicht einmal Marc Einsiedel von Woolwill kontaktieren. Der hat nämlich gerade ungefähr diese Menge an Altholz in die Location getragen, um damit eine Art Stadt in der Stadt zu erreichten – mit Vorgärtchen, kleiner Bar und frei zu interpretierenden “Gebäudekomplexen”.

Marc Einsiedel plant die Stadt der Zukunft

Der Modedesigner Vladimir Karaleev scheint hingegen angetreten zu sein, rohes Holz in feinen Zwirn zu packen und fungiert so als Styling-Experte für grobschlächtige Kisten. Klingt irgendwie nach Fotoshooting für ein hier ansässiges Männermagazin, ist aber viel lustiger anzuschauen und hat dabei eine ganz eigene Art von Erotik, die sich mir sicherlich im Laufe des Tages noch erschließen wird.

Vladimir Karaleev kleidet jetzt Holzboxen ein

Sich wirklich erschließen werden sich die meisten Arbeiten hier wohl erst in ein paar Stunden, wenn um 20.00 Uhr Einlass für die Besucher ist. Bis dahin darf jedoch weiter gemutmaßt, gerätselt und – ganz im Sinne des Projekts – frei interpretiert werden. Besonders gespannt bin ich, wenn um 17.00 Uhr der große, große Grandmaster Flash zum Soundcheck vorbeikommt. Dies dürfte dann ungefähr die 25. Begegnung der dritten Art sein, die ich heute erlebt habe. Aber bestimmt nicht die letzte.

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Nilz Bokelberg

Nilz Bokelberg schrieb am 03.11.2009:

Künstler auf dem Workspace Berlin: Urbikon.com

 

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Für alle die nicht dabeigewesen sein können: Hier nochmal alle Künstler und ihre jeweiligen Projekte auf dem Berliner Workspace in der Einzelübersicht.

Die Delegation der Gruppe Urbikon.com, die am Workspace teilnahmen, hat ganze Arbeit geleistet. Auf ihrer Seite haben sie ihr Projekt folgendermassen erklärt:

Jeder kennt die fast schon zu Ikonen gewordenen Alltagsgestalten im Stadtbild: Bratwurstverkäufer, getunte Autos die röhrend über die Straßen fegen, der unangenehme Ticketanbieter am U-Bahnhof und später der Kontrolleur in der Bahn. Über Rot laufende Fußgänger oder ewig rote Ampeln nach Mitternacht. Falsch parkende oder wie wild durch die Spielstraße fahrende Idioten. Gröhlende Partypeople halb vier Uhr morgens mitten in der Woche, Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern auf Gehwegen oder ein Polizeihubschrauber, der unaufhörlich über demonstrierende “Chaoten” schwebt.

Das war also der Ansatz, den urbikon.com hatten, als sie sich Gedanken über ihre Arbeit im Workspace gemacht haben. Dabei ist einiges rausgekommen:

urbikon bgue

Hier sehen wir die Vorbesprechung, die Planung für den Tag. Natürlich sind alle Umbauten genauestens ausgerechnet und überlegt. Die zur Verfügung stehenden Elemente wurden perfekt in urbikons Konzept eingearbeitet.

urbikon bgue2

Natürlich bedeutet das auch für die TTT, so hiessen die bereitgestellten Elemente von “The Product”, das sie umgebaut werden müssen, das man sie customizen muss um der eigenen Vision gerecht zu werden. Aber genau dafür sind sie ja auch da…

urbikon bgue 3

Hier zum Beispiel werden gerade “custom Carrera-Schienen” gefräst, gesägt und zusammengebaut. Wie cool ist das denn bitte schön? Also jeder, der als Kind eine Carrera-Bahn hatte, muss jetzt das Herz aufgehen. Hätte man das damals schon gekonnt, sich die Schienen selbst zu bauen und so eine Strecke zu machen, die wirklich zu 100% den eigenen Vorstellungen entspricht, meine Herren, da wäre was los gewesen in deutschen Haushlten…hehehe.

urbikon bgue 4

Banden an strategisch wichtigen Punkten aufzustellen ist ein Muss. Vor allem wenn das eine Stele sein sollte, an der man gerne mal rausfliegt.

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Und das alte Problem: Frei hängende Schienen-Stücke werden niemals halten. Wer erinnert sich nicht an frustrierende Nachmittage mit dem Versuch doch mal irgendwas mit der Strecke anders zu machen.

urbikon bgue 6

Das war aber nicht alles. Denn das Konzept von urbikon.com beinhaltet ja noch deutlich mehr, als einfach nur eine Carrerabahn durch den Raum fahren zu lassen. Nochmal Zitat von der urbikon-Website:

Im Workshop und während des Abends werden einige der Ikonen auf unsere Anfrage hin ihren Alltagsraum in den temporären Besucherraum transferieren. Alle Anwesenden können in einen aktiven oder passiven Austausch mit Ihnen treten und damit -zumindest in Fragmenten- am urbanen Realismus teilhaben. Bis sie wieder zurückgehen in ihren eigenen Teil von Stadt.

Nun, das mag mit der Carrerabahn als Symbol für die Geschwindigkeit der Stadt, aber auch für das spielerische, für die Suche nach Ablenkung und natürlich für das “Autotunen” geglückt sein, aber wo bekommt man die anderen Bereiche her? Wie schafft man es, viele Bereiche gleichzeitig passieren zu lassen? Da kam noch eine Idee des Kollektivs ins Spiel, die so einfach wie genial war:

Ich war ehrlich gesagt irritiert. Wo kommt denn auf einmal der Rosenverkäufer her? Wie kommt der denn ausgerechnet auf diese Party? Und sind die Türen da nicht immer so unangenehm streng, das der nicht reinkommen würde? Aber damit nicht genug, denn nachdem sie die ganze Zeit am Fuße der Aufgangstreppe standen, kamen plötzlich noch diese Männer in den Saal:

urbikon bgue 7

Und spielten ein wundervolles Dixieland-Potpurri. Ich war noch etwas verwirrt, hielt das alles für einen Gag, bis mich endlich jemand aufklärte, das diese Leute auf Einladung von urbikon hier wären. Und auf einmal machte alles irgendwie Sinn. Den Raum nicht nur anpassen (Carrera), sondern auch einfach auflösen (Ausstellung trifft Rosenverkäufer-Realität/ “Strassen”-Musiker drinnen). DAS nenne ich mal urban customization. Sauber. Genauso habe ich mir das vorgestellt. Also so, das ich es mir gar nicht vorstellen konnte. Grossartige Arbeit. Und ganz ehrlich: Carrerafahren macht immernoch genau so viel Spass wie früher.

urbikon bgue 8

q.e.d. :)

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