Schnapszahl! Prost! Man muss die Feste feiern wie sie fallen…:) (Trotz, huuuuuhuuuu, Freitag, dem 13.!!!!)
- Da war also dieser Typ in Antwerpen. Und der hat sich ein Fahrrad gekauft. Und das wurde geklaut. Und dann hat er sich wieder eins gekauft. Und das wurde wieder geklaut. Und dann hat er sich noch eins gekauft. Und das wurde auch wieder geklaut. Und da kam er auf den Trichter, das irgendwas faul sein muss. Und dann hat er entdeckt, woran es liegt und beschlossen es via YouTube mit der ganzen Welt zu teilen. Und ich muss immernoch kichern.
- Ein Text gegen Fereinhäuser. Gut begründet und von der tollen Sibylle Berg. Zwar schon was älter, aber dennoch super und mit meinem neuen, abslouten Lieblingszitat: “Irgendwie fand da zu viel Holz statt.”
- Jemand fliegt von New York nach Berlin. Kommt täglich vermutlich ziemlich oft vor. Wenn dieser jemand aber zufällig absolut grossartig zeichnen kann, ihm zufällig auf dem Flug auch noch absolut langweilig ist und er seine Stifte und ein Skizzenbuch zur Hand hat und sich dann noch die Mühe macht, das nach dem Flug alles einzuscannen: Dann hat man dieses grossartige Ergebnis aus der Feder von Christoph Niemann: “What to do on a flight from New York to Berlin?”
- Das hier wird das Cover des neuen Weezer-Albums
Für alle normalen Menschen wie mich, die nie “Lost” geguckt haben, mindestens verstörend. Mehr Infos bei Pitchfork.
- Das neue Fanta 4-Video mit Florian Lukas ist wirklich super. Echt! Gucken!
Der in Südadfrika geborene und in Berlin lebende Streetart-Künstler Robin Rhode ist für seine verspielten Ansätze bekannt. Seine Kunst ist eine Mischung aus Happening, Fotografie und Video, in Verbindung mit zeichnerischen Versatzstücken. Thematisch setzt er sich sowohl mit sozialkritischen als auch ungezwungenen Betrachtungen der Jugendszene um Johannesburg, insbesondere Soweto, auseinander. Als ein mit Apartheid, Gewalt und Rassismus aufgewachsenes Kind haben die Arbeiten Rhodes immer auch einen autobiographischen Hintergrund.
Er schafft es, mit einfachsten Mitteln kreative Geschichten zu erzählen und diese auf Fotos festzuhalten. Ein paar seiner schönsten Arbeiten findet Ihr nach dem Jump:
Ich bin ganz ehrlich gesagt nicht so der Einrichtungstyp. Da fehlt mir vermutlich ein Gen zu oder sowas. Ich habe früher immer nach der Maxime gelebt: Wo mein Fernseher steht, da bin ich auch zu Hause. Aber man wird ja älter und manchmal eben auch weiser. Dennoch:
Ich bewunder immer Leute die total stimmig und richtig eingerichtet sind und die sich aber scheinbar gar keine grossen Gedanken darüber gemacht haben. Für die ist das eben normal, stylisch zu wohnen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, eines Tages auch toll zu wohnen. Und sollte ich es nicht allein schaffen, dann mit professioneller Hilfe.
Vor ein paar Tagen bin ich auf dieses äusserst lesenswerte Interview bei “Freunde von Freunden” mit Axel van Exel gestossen. Und abgesehen von den hammerstylischen Fotos bei ihm zu Hause, die genau das zeigen, wie ich wohnen möchte, fand ich folgende Passage im Interview auch noch ausderseelesprechend:
“Ein isländisches Kuratorenpärchen hat uns einmal ihr Vertrauen und den Schlüssel zu ihrer Wohnung gegeben und gesagt: Macht mal, wir sind in 3 Monaten wieder zurück. Ich mag Kunden nicht, die sagen. Ich hab den Tisch gesehen. Bau mir den mal nach. Da muss man aufpassen. Nachbauen geht halt nicht.”
Genau so stell ich mir das auch vor! Hier habt ihr Schlüssel und Budget, jetzt überrascht mich mal. Also habe ich mir nach dem Interview die Seite von van Exel zusammen mit seinem Kumpan Neulant angeguckt und was soll ich sagen: Fantastsiche Arbeiten, die die Grenze zwischen Kunst und Design nicht nur umschiffen, sondern gleich komplett ignorieren. Genauso muss das sein. Mein absoluter Favourite auf ihrer Seite: Die 1,60-Meter hochgelegte Badewanne mit rot gesteppten Wänden aus LKW-Plane. Wie verdammt cool ist das bitte schön?
Also, der Plan ist folgender: Ich werde jetzt reich, dann miet ich mir ein schönes Loft und bevor da irgendwas reinkommt schick ich den Jungs ne Mail und lad sie ein. Und wenn sie fertig sind, dann lad ich euch alle zur Einweihung ein, okay? Mir ist mit meiner Entdeckung von “Neulant van Exel” auf jeden Fall ein Stein vom Herzen gefallen, denn nun weiss ich: Es gibt auch Hilfe für Einrichtungs-Analphabeten wie mich. Hurra!
Bevor die großartige ATM Galerie demnächst in eine wohlverdiente Sommerpause entschwindet, hat man sich dort noch flugs ein paar Urban Artists aus Hamburg für die aktuelle Ausstellung Quantomirokaze geangelt, die sich beide auf dem Metier der Schablonenmalerei auszeichnen [sic].
Bis zum Ende dieser Woche könnt ihr in der Brunnenstraße 24 also noch einen Blick auf die jüngsten Werke von Dash3Ultra werfen, der ebenfalls als Hauptakteur der Hamburger Stencil Crew ASA (Altona Stencil Artists) gilt und dessen Markenzeichen in erster Linie aus pixeligen Antihelden besteht. Menschen also, deren traurige Berühmtheit in der Beteiligung an düsteren historischen Begebenheiten wie dem Atombombenabwurf auf Hiroshima (einem Ereignis, das übrigens demnächst 65 Jahre lang her sein wird) oder auch dem Beginn des Irakkriegs beruht.
Der zweite Künstler im Ausstellungsbunde steht keineswegs da rum, sondern trägt lediglich den hübschen Namen mittenimwald. Er selbst nennt die Werbebranche seinen Arbeitshintergrund, was sich in seinen Werken auch unverkennbar niederschlägt. Die Paste-Ups verbinden Elemente des gepflegten Konsumterrors mit popkulturellen Anspielungen, Punk und modernen Schönheitsidealen. Und wer hätte schließlich gedacht, dass man so aparte Themen wie Armut, Hunger und Mettwurst in solch ansehnliche Nicht-Gewänder stecken kann? mittenimwald war jedenfalls schon Punkrock, da war Punkrock noch kommerziell! Aber am besten überzeugt ihr euch selbst vom Ergebnis dieser gelungenen Ausstellungskollaboration…
Der sogenannte jüdische Humor ist fast schon ein Markenzeichen, die US-amerikanische Unterhaltungsindustrie ohne Woody Allen- oder Mel Brooks-Filme, ohne die Vorarbeit der Marx Brothers, ohne Comedians wie Billy Crystal oder Jerry Seinfeld oder Formate wie Saturday Night Life beinahe nicht vorstellbar. Auch die Literatur wurde von Autoren jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung geprägt. Man denke nur an Franz Kafka, Lion Feuchtwanger, Heinrich Heine oder auch an Philip Roth – einen der wichtigsten Schriftsteller der Gegenwart. Erstaunlicherweise ist die Mithilfe von Zeichnern und Autoren jüdischen Glaubens an der Entwicklung der Comickultur weit weniger nachhaltig im öffentlichen Bewusstsein verankert. Tatsächlich haben auch viele der mittlerweile per Kinoleinwand zu Weltrum gelangten Superhelden wie Superman, Spiderman oder Batman einen jüdischen Ursprung.
Es waren vor allem jüdische Immigranten in New York, die am Ende des 19. Jahrhunderts das Comicgenre entwickelten. Zunächst in Beilagen von Tageszeitungen, später dann in eigenständigen Publikationsformen. Auch der Superheldencomic hat seinen Ursprung in New York. Ende der dreißiger Jahre schufen die Söhne jüdischer Einwanderer Figuren wie Superman, Batman oder Captain America als kulturelle Projektionsflächen eines nordamerikanischen Patriotismus. Der Kampf gegen Hitlerdeutschland begann auf dem Papier tatsächlich Jahre bevor die USA tatsächlich in den Krieg gegen Hitler eintraten.
Auch die nächste Generation der Superhelden, die zu Beginn der Sechziger Jahre auf den Plan trat, solche Figuren wie The Incredible Hulk oder die X-Men wurde von jüdischen Comic-Artists entwickelt.
Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin arbeitet die Kulturgeschichte des jüdischen Comics nun bereits seit drei Monaten auf. Es sind dort mehr als 400 Objekte von über 40 Künstlern des Genres ausgestellt (u.a. Rube Goldberg, Will Eisner, Harvey Kurtzman, Art Spiegelman, Joann Sfar). Chronologisch geordnet schlagen sie den Bogen von den ersten Comicstrips über die Entstehung des Superheldencomics, die hippieske Undergroundbewegung der 60er Jahre hin zur moderneren Form der Graphic Novel. Durchaus interessant ist auch das Präsentationsdesign der Ausstellung, man gewinnt beinahe den Eindruck, sich innerhalb überdimensionaler aufgeschlagener Comicseiten zu bewegen.
Die Ausstellung ist nur noch eine Woche lang, bis zum 08. August zu sehen. Eile ist also geboten – es lohnt sich.
Marteria ist der Rapper mit den neuen Nikes. Er ist der Rapper, der sich mit Harris das Patent auf sonor schleichenden Flow teilt. Er ist der Rapper, der schon angehender Fußballstar, frustriertes Male Model und ausgebildeter Schauspieler war, bevor er Musik zu seiner Hauptbeschäftigung gemacht hat. Er ist der Rapper, der von den Szenegrößen hofiert und vom Untergrund akzeptiert wird. Er ist der Rapper, in dem noch der Rapper mit der Heliumstimme aka Marsimoto steckt. Er ist der Rapper, der zusammen mit dem Produzentengespann The Krauts ein neues Album namens „Zum Glück in die Zukunft“ aufgenommen hat. Ein Album, das im Idealfall helfen könnte, diese Intro zu beenden mit: Marteria ist der Rapper der Stunde.
Was leistet dein neues Album, was viele andere Rap-Alben in den letzten Jahren nicht geleistet haben?
Marteria: Vor allem einen gewissen Produktionsstandard. Es ist seltener geworden, dass man im HipHop aufwendige Produktionen auf den Markt bringt, dass man ein gewisses Budget investiert. Solche Sachen wie live-Stringarrangements, live Drums, dass es geil gemischt wird. Dass du einfach in einen geilen Sound investierst. Wenn du dir ne Platte runter lädst und auf dem iPod hörst, ist es vielleicht egal, ob du echte oder Synthiestrings benutzt, aber ich finde es wichtig, da auf die Wertigkeit zu achten, um einfach auch die Haltbarkeit der Platte zu pushen. Dann gehört dazu, dass man viel über die Platte nachdenkt, dass man viel daran arbeitet, sich über die Texte Gedanken macht. Viele Platten in den letzten Jahren sind nach demselben Schema entstanden. Hier ein Song über Party, da ein Song über Frauen und so weiter. Aber darum geht es ja nicht in meinem Leben. Das ist vielleicht so, wenn du 19 bist, aber irgendwann solltest du dich ja mit den Sachen befassen, die dir wirklich wichtig sind und die man auch transportieren möchte. Eine Message rüberzubringen ist ja total HipHop eigentlich. Aber das wurde alles abgetötet durch das Fehlen von Kreativität. Die versuche ich einfach wieder zurückzubringen.
Es wird sicher Leute geben, die bestimmte Erwartungen an diese Platten knüpfen. Was erwartest oder erhoffst du dir selbst?
Das allerwichtigste ist, dass die Platte gehört wird. Ist egal, ob das jetzt alles im HipHop-Bereich passiert, Sparten sind mir da nicht so wichtig. Es wäre schön, wenn die Leute die Platte hören und verstehen, was für ein Soundspektrum wir damit erschaffen haben. Allerdings wäre es natürlich auch cool, wenn die Leute, die schon eher eine Urban-Affinität haben, sagen, ach es gibt ja doch noch was Geiles. Viele haben das ja einfach hinter sich gelassen, weil es irgendwann einfach viel zu dumm wurde. Wenn man selber nicht dumm werden will, versucht man sich eben anders zu orientieren. Ich denke, wenn diese Platte gehört wird, dann finden sie die Leute auch gut.
Reicht es dir, dass die Leute sie hören oder willst du, dass die Leute sie kaufen?
Klar will ich das. Wie gesagt, da steckt schon einiges an Kohle drin und es wäre natürlich für uns sehr wichtig, dass sich die Platte gut verkauft. Es ist ja nicht einfach nur ein Undergroundalbum, da stecken einfach zu viel Geld und zu viel Produktionswahnsinn drin.
Du hast mit Marsimoto ein grenzüberschreitendes und mit Marteria ein eher massentaugliches Alter Ego. Warum geht nicht beides in einem?
Im Endeffekt ist ja beides eine Figur, nämlich ich. Ich kann mit Marsimoto Sachen sagen, die ich als Marteria nicht sagen würde. Ich würde als Marteria keinen Song aus der Sicht eines ausgesetzten Hundes schreiben. Das ist alles etwas abgespacedter, verrückter. Es macht einfach Spaß, damit zu spielen. Man kann in solchen Figuren mehr aufleben, sich freier fühlen. Marteria ist da straighter, da geht es mehr um mich und meine Erfahrungen, da passt so was einfach nicht rein. Davon abgesehen vermischt sich ja beides. Auf jeder Marsimoto Platte gibt es Marteria-Anteile und umgekehrt.
Nach dem Song „Todesliste“, in dem du etliche Szenegrößen aus der Sicht eines anonymen Internetusers disst, hast du einen Youtube Clip ins Netz gestellt, der den Song erklärt. Wie wichtig ist es dir generell, verstanden zu werden?
Es ist schon wichtig. Es gibt halt immer irgendwelche Leute, die irgendetwas nicht verstehen und man macht dann leicht den Fehler, auszublenden, dass ganz viele andere Leute es ja doch verstanden haben. Es ist ja nicht so, dass nur, weil es 10 % der Leute nicht verstehen, die ganze Szene blöd ist.
Aber warum sind einem die zehn Prozent so wichtig, warum macht man nicht einfach weiter, anstatt sich ewig zu erklären?
Man ist mit seinen Songs ja verbunden, man will seine Arbeit ja verteidigen und beschützen. Wenn man älter wird, dann lässt das sicher auch nach. Das hat ja auch etwas mit Battlekultur zu tun. Wenn etwas angegriffen wird, dann will man es verteidigen.
Rap ist das Genre, in dem du mit der meisten Kritik rechnen musst, sobald du dich exponierst. Wie gehst du, nicht als Künstler, sondern als Mensch mit Kritik um?
Zunächst mal bin ich selber mein größter Kritiker. Wenn ich mir ältere Sachen anhöre, dann fallen mir tausend Dinge auf, die ich anders hätte machen können. Ich habe den Vorteil, dass mir sehr viele gute und erfahrene Künstler Ratschläge geben. Ich bin viel mit Jan Delay getourt und wenn dann er oder Tropf mir irgendwelche Tipps geben oder wenn Peter Fox sagt, so und so musst du das machen, dann klingt es geiler, dann höre ich da auch drauf. Sie schöpfen aus einem ganz anderen Erfahrungsschatz und ich muss einfach noch dazu lernen. Meine Mutter ist Lehrerin, die geht mit fast sechzig immer noch zur Weiterbildung, weil sie sagt: man lernt nie aus. Wenn man so jung ist wie ich, wär man schön blöd, wenn man mit Kritik nicht umgehen könnte oder sie sich nicht zu Herzen nimmt.
In dem Fall geht es um wertvolle, konstruktive Kritik, was ist mit impulsivem Gehate von Leuten, die dich nicht leiden können? Perlt das an dir ab?
Letztendlich ist es nicht wichtig. Bei Marsimoto gab es oft Leute, die es gehatet haben und ich mich gefragt habe: wie könnt ihr so was Cooles nicht verstehen? Wenn man sich dann die Albumverkäufe genauer anschaut, dann sieht man, dass es viele Leute gekauft haben, die mit HipHop gar nicht so viel am Hut haben. Und dann denkt man sich, Scheiß auf die paar HipHop-Nerds, die einfach zu engstirnig sind, wenn es dafür andere Leute gibt, die es feiern können. Davon abgesehen ist es ja für Kids so um die 13, 14 sicher auch ganz cool, sich im Internet in irgendwelchen Foren auszutoben. Das ist ja auch beinahe schon so eine Art Sport geworden. So lange es die Leute verstehen, auf die es wirklich ankommt, ist alles in Ordnung.
Wäre das Modell Dendemann etwas für dich? Sich seiner kreativen Wurzeln sehr bewusst sein, aber sich nach und nach eine ganz eigene Fangemeinde erspielen?
Das ist nicht mein Ziel. Ich finde seinen Weg interessant und ich finde auch sein neues Album total geil, aber ich möchte mich nicht so abkapseln wie er das macht. Er macht das ja sehr offensiv, die Platte wurde von Moses Schneider produziert und das hört man eben auch. Ich will ja, dass die Leute wieder HipHop hören, ich will HipHop wieder cool machen. Ich will, dass die Leute wieder sagen: ich höre HipHop. Ich finde einfach, es ist Zeit, dass HipHop wieder geil wird. Es ist eine geile Kultur, die so viel beinhaltet, man soll sich in dem Ding wohl fühlen. Es ist momentan so ein vertrotteltes Kinderding. Und das muss doch nicht sein. Die Leute sollen wieder auf die Konzerte gehen, alle möglichen Leute sollen das für sich entdecken. Ich will die Kultur nicht ablehnen, im Gegenteil.
Dafür klingt das Album aber überhaupt nicht puristisch. Es bewegt sich in seinen Beats ja schon sehr vom HipHop weg.
Klar, es spiegelt ja auch viele meiner Einflüsse wieder. Ich bin ja gar nicht so festgefahren. Ich bin ja auch mit Pearl Jam aufgewachsen oder mit Massive Attack. Es war immer genau so viel Fatboy Slim in meiner Musik wie Dizzee Rascal oder wie Mos Def. Ich verstehe es nicht so, dass du nur weil du rapst automatisch musikalisch nur in einer Sparte stattfinden kannst. Ich habe ja schon mit Robot Koch, RQM und solchen Leuten zusammen gearbeitet, mit Drum’n’Bass-Produzenten usw. Die früheren Platten waren auch alle schon sehr offen, insofern setzt diese neue die Richtung eigentlich nur fort.
Was würdest du sagen ist deine beste Punchline auf dem Album?
Das ist schwer, da gibt’s so viele gute (lacht). Ich glaube, „verstrahlt“ ist eine sehr prägnante Nummer im Gesamten, die ein bestimmtes Lebensgefühl vermittelt. Es gibt natürlich auch so Lines wie „Bowlen in Columbine, Kegeln in Erfurt“, aber „verstrahlt“ mag ich schon sehr.
Deine Lieblingspunchline aller Zeiten?
Dendemann hat mal neun Silben auf neun Silben gereimt. Das war auf der „Gefährliches Halbwissen“, da hat er gesagt: „Ein Grund, warum an der Waterkant die Beats fetter waren, euer Sound hängt am Vaterland wie Kriegsveteranen!“ Das fand ich damals total geil.
Was ist dein Lieblings-Rap-Stereotyp?
Das ist ein Mix aus Jigga, Kid Cudi, Kanye und in der Seele Beastie Boys. Was ich wichtig finde, ist am Puls der Zeit zu sein. Beispielsweise ein Typ wie Jay-Z, der ja auch nicht mehr der jüngste ist, und trotzdem immer state-of-the-art-Sachen abliefert. Ich bin Fan von Leuten, die sich weiter entwickeln. Ich steh nicht so drauf, wenn man alles klingen lassen muss, als wäre es vor zwanzig Jahren aufgenommen worden.
In “Endboss” sagst du, du hättest früher gehasst, was deine Schwester so gemacht hat? Was hat deine Schwester so gemacht?
Haha, ich hab da auch mit ihr schon drüber gesprochen. Wenn du ein kleiner Junge bist und Geschwister hast, bist du natürlich auf der Seite deines Bruders. Da spielst du lieber Fußball anstatt Depeche Mode zu hören. Irgendwann stellst du natürlich fest, Depeche Mode ist ja total geil, aber das realisierst du ja mit sieben, acht Jahren nicht. Da ist natürlich die Plattenkiste von deinem Bruder mit irgendwelchen Underground-HipHop-Platten interessanter. Wenn deine Schwester Leichtathletik macht und dein Bruder Fußball, dann ist halt einfach klar, wie du dich orientierst, das ist ganz normal, glaube ich.
Gibt es irgendein Vorhaben, das du gerne umsetzen würdest?
Ich will auf jeden Fall einen richtigen Film machen. Ich habe ja Schauspiel studiert. Ein guter Film wäre richtig geil. Ich finde, die deutsche Filmindustrie ist unglaublich langweilig. Man bekommt Drehbücher angeboten, die ich für keinen Cent der Welt machen würde. Aber eine Rolle, die wirklich gut zu mir passt, das wär schon geil.
Was würdest du an der deutschen Filmindustrie ändern wollen?
Die Leute in der Szene haben einfach falsche Werte. Die probieren so fünf, sechs Jahre auf Independentebene rum und versuchen dann auf Majorebene Geld zu verdienen, mit Sachen, die einfach nicht gut sind. Die merken nicht, dass sie ihre Identität damit kaputt machen. Bei den deutschsprachigen Produktionen ist so unglaublich viel Scheiß dabei und dadurch hinkt man anderen Ländern, wie Dänemark oder Schweden zum Beispiel, total hinterher. Die Filme dort haben irgendwie ihre eigene Sprache, haben sich ihr eigenes Publikum erspielt. Bei uns laufen die Geschäfte irgendwie anders, es gibt da Kooperationen und alles Mögliche, aber meistens versagen die Resultate. Man müsste da mehr Style reinbringen. Ist ja genau so wie mit Musik. Man muss gute Ideen haben und dann schauen, wie man die interessant umsetzen kann.
In welchem Bereich, Fußball, Modeln, Schauspieler, Rapper warst oder bist du am besten?
Modeln ganz schlecht. Schauspieler geht so. Im Fußball und mit Musik bin ich gut. Ich denke, das was ich jetzt mache, kann ich schon am besten. Fußball ist ja auch schon zehn Jahre her. Da war ich auch recht gut, das hätte schon funktionieren können, aber man weiß ja nie, was dazwischen kommt. Das ist ja auch von vielen Faktoren abhängig, Verletzungen, man muss damit klar kommen, nicht jedes Wochenende in die Disco gehen zu können, wie funktioniert das mit den Mädels und so. Ich glaube, da habe ich mit dem Texteschreiben schon die richtige Wahl getroffen.
A propos Mädels. Fußballer, Model, Rapper, Schauspieler. Das sind alles Mädchenmagneten. Wo waren die Mädchen am besten?
Natürlich beim Modeln. Dabei stehe ich gar nicht so sehr auf diesen Modeltyp. Aber die Frauendichte war da einfach am höchsten. So ne Gucci-Aftershowparty in Mailand ist, gerade wenn du erst 18 bist, schon sehr beeindruckend. Wenn du mit Yachten herumgefahren wirst, wenn du in Fashionweekzeiten jeden Abend auf einer anderen dieser Parties bist, dann sind immer all diese Models da. Und dann das komplette Partyprogramm, du kannst dann auf Zetteln ankreuzen, welche Drogen du konsumieren möchtest. Ich kam gerade ausm Fußball, war total anti-Drogen und dachte mir, Koksen, was für ein Scheiß und hab halt Weed geraucht. Aber du hattest halt einen Frauenanteil von siebzig, achtzig Prozent und alle Models dieser Welt, alle tanzen, alle im Pool und dann gibt es eine gewisse Häufigkeit von sexuellen Kontakten, weil alle ja auch diesen Lifestyle leben, sich nicht binden wollen und so. Alle sind total hemmungslos. Es gibt natürlich auch so vierzehnjährige, die sitzen dann mit ihrer Mutter da, die auf sie aufpasst.
Wie sah der Moment aus, in dem du realisiert hast, dass es nicht deine Welt ist?
Der kam schon recht früh. Ich habe einfach angefangen, hatte überhaupt keine Erfahrungswerte. Es fühlte sich einfach blöd an, für gutes Aussehen und bescheuert gucken bezahlt zu werden. Es war mir nicht klar, wie das das Lebensziel von jemandem sein kann. Wenn du jemand bist, der was machen will in seinem Leben, kommst du dir echt doof vor. Du überlegst dir, dass du viel Geld verdienen kannst, wenn du es durchziehst, dass du die ganze Welt siehst, du machst dir dann so eine Pro und Contra Liste. Viele Leute können die Contra-Seite vielleicht ausschalten, aber ich konnte das nicht. Ich hab gleich nach zwei, drei Wochen gemerkt, ok, das ist nicht mein Leben. Ich hab dann mitgenommen, was man eben so machen kann, einmal diese Weltreise mitgemacht, Pret a porter-Daten, Fashionweek und so. Und dann habe ich aufgehört. Das ging mir öfter so in meinem Leben, dass ich etwas angefangen habe und dann recht schnell merkte, das ist es nicht. Musik ist die einzige Konstante, die immer dabei war, deswegen fühle ich mich gut mit dieser Entwicklung. Ich denke, wenn man jung ist, sollte man alles mitnehmen, man sollte aber nicht an irgendwas festhalten, wenn man damit unglücklich ist.
Du hast Simply Red mal ein Weinglas über dem Kopf entleert.
Ja.
Rotwein?
Ja. Wir wurden krass von den Securities rausgetreten. Ich hatte Nasenbeinbruch, Rippenbeinbruch, dann natürlich lebenslanges Hausverbot und all das. Meine Mutter war immer großer Fan von ihm, hatte die ganzen Platten und war immer total berührt. Und dann sitzt er da mit zwei 17jährigen Models auf der Couch, total zugeballert und ich konnte es einfach nicht fassen. Ich hatte einfach zu viele Werte, war auch irgendwie anti. Ich war in so einer Clique, zwei Kanadier, ein Engländer und ich und wir fanden das einfach alles Scheiße. Wir waren dann in unserer Freizeit in Mailand eher Skateboardfahren und waren einfach nicht solche Posertrottel. In dem Moment musste das einfach passieren. Hab ihm den Drink über den Kopf gekippt und wurden dann von den Securities zusammengefaltet. Aber wir mussten schon auch sehr lachen.
Welcher Person des deutschen Showgeschäfts würdest du gern mal einen Drink über den Kopf schütten?
Ich bin extremer Mario Barth-Feind. Ich finde alles, was er macht, sehr schlimm. Er ist im Prinzip der Teufel. Die Teufelin ist Heidi Klum. Das ist das Paar der Hölle. Wahrscheinlich sitzen die beiden dort auf dem Thron und machen Gesichtskontrolle, wer rein darf. (lacht)
Marterias Album “Zum Glück in die Zukunft” erscheint bei Four Music.
240, 18, 584 – das waren die Glückszahlen für Papergirl in diesem Jahr (Kollege Bokelberg schwärmte bereits vorab). 240 Künstler nahmen an unserem offenen Aufruf teil und schickten ihre Werke ein, damit wir sie zunächst ausstellen und dann verschenken konnten. 240 Künstler aus 18 verschiedenen Ländern, die sich alle an einem Ort, der Neurotitan Galerie in Berlin, vereint fanden. 240 Künstler aus 18 verschiedenen Ländern, deren Werke insgesamt die unglaubliche Anzahl 584 Rollen ergaben. Das Papergirl Team hätte sich die 5. Ausgabe des Projekts und dieses charmante kleines Jubiläum wahrhaftig nicht schöner vorstellen können.
Was beinahe ein ganzes Jahr Vorbereitungszeit brauchte und viele spannende Programmpunkte sogar zum Papergirl Festival werden ließ, kulminierte am vergangenen Sonntag, dem 18. Juli 2010, schließlich in den Straßen Berlins. Mitte, Prenzlauer Berg und Wedding waren dieses Mal die glücklichen Bezirke, die unsere Fahrradkarawane klingelnd, hupend, rufend und trillernd durchkreuzte. Bei allerbestem Sonntagssommersonnenwetter gab es dort natürlich viele Fußgänger zu überraschen und sämtliche Facetten von Reaktionen zu sehen. Immer wieder werden wir gefragt, ob es denn nicht schwer fällt, diese fantastischen Kunstwerke herzugeben, einfach so, ganz ohne etwas dafür haben zu wollen. Und immer wieder müssen wir dann antworten: nein. Natürlich hofft man bereits beim Anfertigen der Rollen darauf, dass jemand diese einzigartige Zusammenstellung an wunderschönen Arbeiten zu schätzen weiß und ärgert sich, wenn manche der eigentlich Beschenkten die ihnen zugeworfene Kostbarkeit mit Argwohn betrachten, bevor sie sich bequemen diese aufzuheben. Doch am Ende überwiegen die großen Augen, das Lächeln, das Winken. Schlicht jene Momente, in denen man weiß, dass man ein kleines Stückchen Glück in das Leben eines Mitmenschen tragen konnte. In denen einem bewusst wird, wie selten das mittlerweile in unserer Gesellschaft überhaupt geschieht. Wir könnten daher kaum stolzer darüber sein, dass es mittlerweile viele kleine Papergirls auf der ganzen Welt gibt und immer wieder neue hinzukommen. Ginge es nach uns, hätte bald jedes Land mindestens einen Vertreter des in Berlin entstandenen Projekts und wer weiß, vielleicht glückt dieser kleine Plan zur Weltverbesserung ja auch irgendwann?
Mehr Bilder zu Papergirl #5 gibt es hier, da und natürlich dort zu bestaunen. Am Ende sind sie und das Archiv der verbliebenen Einzelwerke eines jeden Künstlers das Einzige, was vom Projekt übrig bleibt. Und dennoch haben wir alle in diesem Jahr so viel mehr als das bekommen…
Disclosure: Ich bin seit 2008 ehrenamtlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Kunstprojekt Papergirl tätig. Für unsere Vernissage und die Papergirl Party wurden wir in diesem Jahr freundlicherweise sehr großzügig von Beck’s gesponsert.
Was man Künstlern nicht alles verzeiht…So zum Beispiel auch ganz offensichtliche Style-Aussetzer, unter denen dieser junge Mann leidet. Aber einen echten Künstler interessiert die Oberfläche eben nicht und deswegen geht das auch klar: Denn was Justus von Bismark so bastelt, das finde ich mehr als grossartig. Und das vor allem ganz abgesehen von seinem, ja durchaus tollen, aber schon so oft abgefeierten “Image Fulgurartor”, der es ihm ermöglicht im Blitz von anderen Kameras Bilder auf diese zu projezieren. Super finde ich seine neue Arbeit, bei der ein Projektor die Bewegung der Kamera auf dem Film, den er abspielt, nachahmt. Okay, das klingt jetzt kompliziert. Einfach mal selber gucken:
Ich mag nicht der modischste Mensch der Welt sein, aber ich liebe Mode und den Zirkus, weil mich das an die guten alten Tage erinnert, als man in der Musikindustrie noch Spass hatte…:)
Hier meine Eindrücke der letzten Fashion Week. Inklusive grosser Trauer, Drama, Verwirrung, Freude, vielen hübschen Mädchen und natürlich Mode, Mode, Modepopode.
Bei der Masse der Events, die in der Hauptstadt am vergangenen Wochenende im Rahmen der Bread & Butter und der Bright auf dem Plan standen, war die Auswahl definitiv nicht immer einfach. Einer der absoluten Sureshots fand jedoch Freitagabend in der Brunnenstraße statt, wo Civilist in Kooperation mit Nike SB, keinemusik und Becks Gold in einer Hinterhoflocation das zusammenfügte, was an einem solchen Sommerabend halt zusammengehören sollte: Minirampenskating von den Jungs vom Nike SB Team aus Übersee, hervorragendes Grillgut vom Barbecue (eine besondere Erwähnung haben sich bei mir die Lammkoteletts verdient, die mit der selbstgemachten Grillsauce äusserst geil hamonierten), kühles Bier und das Ganze musikalisch unterlegt mit Hip Hop, Punk und Hardcore von den keinemusik-compadres Ignant und Reznik.
Die Mannen vom Nike SB Team haben sich dann auch nicht lumpen lassen und knöpften sich die am Vortag unter der Regie von Lennie Burmeister fertig gezimmerte Minirampe ordentlich vor. Allen voran Mr. Eric Koston himself und der two-times-Mastership-winner Brian Anderson schienen sichtlich Bock auf die Hinterhofsession zu haben. Letzterer zeigte ausserdem, dass eine gebrochene Hand allerhöchstens ein Grund, aber definitiv kein Hindernis ist, insbesondere solange man sie fachmännisch mit einem Kopftuch umwickelt… Harte Nummer der Kerl. Gut gefallen hat mir auch der Newcomer des Teams Ishod Wair, der die Mini mit allerlei Bluntschweinereien beackerte.
War auf jeden Fall ne richtig runde Sache in einer äusserst entspannten Atmosphäre. Kommt wahrscheinlich nicht so häufig vor, dass man Lance Mountain bei einem gemütlichen Schwätzchen auf dem Minirampensofa mit Tittus Dittman beobachten kann, während sich der Frostman einen Fußbreit nebenan gerade zum Drop hinstellt. Good times!
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Und BTA ist dazu auch noch ein sehr talentierter Holmes, den man wirklich mehr supporten...