Ich hab euch ja letzte Woche unser Buch vorgestellt und auch erklärt, das man das nirgendwo zu kaufen bekommt. Nun war das Rätselraten natürlich gross, wo man das denn herbekommen würde. Und nachdem wir schon welche auf Facebook verlost haben, darf ich euch nun ankündigen, das wir jetzt und hier und exklusiv für euch nochmal 5 Exemplare raushauen!
5 von euch können sich also demnächst glücklich schätzen, mal wieder ein stylisches und exklusives Buch auf dem Coffee Table liegen zu haben. Dafür müsst ihr nicht mal etwas schweres tun: Nur einen Kommentar schreiben, in dem steht, warum das Buch auf euren Kaffeetisch (oder wo auch immer ihr das hinpacken wollt) gehört und schon kommt ihr in die Auslosung, aus der dann 5 Gewinner gezogen werden. Vorrausgesetzt es machen mehr als fünf Leute mit..;)
Also, gebt alles, dann bekommt ihr auch alles von uns. Zumindest alles, was wir jemals als Buch veröffentlicht haben…Viel Glück! (Kommentieren möglich bis Sonntag Abend, 13.06.10, sagen wir mal 20:15 Uhr…)
Heute abend findet in den neu eröffneten Räumen von Etsy in der Berliner Ritterstr. 12 (Hinterhof) eine Party in Kollabo mit dem Cut Magazine statt. Update: War ein schönes Fest, Fotos gibt es hier!
Unser Man Luis Berrios-Negron hat den Etsys geholfen, “to build out our raw, industrial space into a multifunctional exhibition, gallery, workshop and community center.” Das klingt genau nach dem richtigen Ort um in ein langes Osterwochenende zu starten! Auf Facebook verlosen wir ein 2×2 Gästelistenplätze. Um 20:00h geht’s los!
In regelmässigen Abständen werde ich euch hier noch die Künstler von den Workspaces vorstellen, die noch nicht dran waren. Da gibt es noch einiges zu entdecken….
Ich bin ja in Köln aufgewachsen. Und auf einer der Haupteinkaufsstrassen, da gab es einen komischen Brunnen, an dem ich als Kind immer gern gespielt habe. Der sieht aus wie eine rundliche, glatte Säule, die direkt aus dem Boden kommt. Und da läuft das Wasser dann so ruhig runter. Später erfuhr ich dann, das das Teil “Bierbrunnen” heisst, zu Ehren der Kölner Zünfte aufgestellt wurde und das (angeblich) einmal im Jahr da Bier rauskommt. Eine schöne Erinnerung.
Warum erzähle ich das alles? Was hat das mit Workingclasshero aus Bern zu tun? Ein junger Mann, der vom skaten zur Kunst gekommen ist. Dabei sollte man nicht den Fehler machen und ihn gleich als Street Artist abstempeln. Denn was WCH macht, das hat mit weitaus mehr als Stencils oder Grafiken zu tun.
Workingclasshero, der nebenbei noch als Tätowierer und DJ arbeitet, hat nämlich eine kleine Idee mit auf den Münchener Workspace gebracht, die äusserst charmant daher kam. Mit einfachsten Mitteln, reduziert auf ihre Funktion, hat er aus Holz, Folie sowie einer Pumpe mit einer Düse einen Brunnen gebaut. Und dieser Brunnen wurde von allen Anwesenden ordentlich mit Beck´s Gold gefüllt, so das da den ganzen Abend was vor sich hinsprudelte? Richtig! Ein Bierbrunnen…!
Dabei finde ich gerade das so interessant: Workingclasshero versucht ja auf mehreren Ebenen zu brechen: Er bricht mit der Erwartung, die man vermutlich an ihn hat, wenn man ihn irgendwo einlädt, indem er eben nicht ein einfaches Piece macht oder so, sondern ein ganz anderes Objekt. Und so ein Brunnen, der soll ja auch mit so einer Veranstaltung an sich brechen, denn Brunnen gelten ja gemeinhin (und das nicht zu Unrecht) als Kitsch, also so ziemlich das genaue Gegenteil von “Kunst”. Wenn nun aber einer hingeht, einen Brunnen auf das Wesentliche reduziert und dann auch noch recht pragmatisch mit Bier füllt, dann hat der Brunnen ja nicht mehr die Funktion des Wasserspiels. Dann ist der ja eher ein Statement. Ich bin noch unsicher wofür. Vielleicht: Das Kunst sich überall verstecken kann.
Auf seinem Blog sieht man noch mehr von dem Brunnen. Dessen Felder ja auch noch beschriftet waren und ganz eigene Funktionen hatten (zum Beispiel das Pumpbecken als “Produktionswerk”). Bitte gucken sie hier.
Unsere Workspaces sind vorbei und es ist an der Zeit, ein kleines Fazit zu ziehen. In Berlin, Hamburg und München haben wir unterschiedliche Künstler aufeinander losgelassen und gespannt darauf gewartet, was dabei herauskommt. Alles was wir ihnen zur Verfügung gestellt haben war das TTT und die Materialien, die sie gerne hätten. Und das, bewusst freizügig gewählte, Thema “Urban Customization”. Dann haben wir uns zurückgelehnt und zugeguckt, was daraus entsteht.
Natürlich haben wir auch darauf geachtet, das es keine rein lokalen Veranstaltungen werden. Deswegen waren auf jedem Workspace Künstler aus dem ganzen Land vertreten, zum Teil sogar aus anderen Ländern. Damit man auch sicher gehen kann, das die sich nicht alle schonmal über den Weg gelaufen sind und irgendwoher kennen. Denn wir haben versucht grösstmöglichen, kreativen Input zu generieren. Das ging dann auch schonmal so weit, das Künstler auf dem Workspace etwas ganz anderes gemacht haben, als sie angekündigt hatten. Und wisst ihr was? Genau so haben wir uns das auch vorgestellt.
Interessante, inspirierende Kunst kann nur aus absoluter Freiheit entstehen. Dadurch sind Sachen entstanden die spannend waren, lustig, auch mal albern, beeindruckend, banal, sexy, denkanstossend, kritisch, politisch, überflüssig, vergänglich, unauffällig, eindeutig….kurz: Wir haben so ziemlich die ganze Palette der Möglichkeiten, was Kunst sein kann, gezeigt bekommen. Von Street Art bis zu absurden Performances, von Gebrauchsgegenständen bis hin zu meterlangen Prints oder Bierbrunnen und komplett eigerichtete Enklaven: Die Besucher der Workspaces haben ordentlich was geboten bekommen.
Ich muss ehrlich sagen: Ich war am Anfang etwas unsicher. Ich bin in der Regel kein Fan von Gruppenausstellungen, das wird allzu oft ein heilloses Durcheinander, wo das Profil des einzelnen Künstlers zu sehr verwaschen wird und am Ende nur noch ein einziger Brei zu betrachten bleibt, der zwar gut gemeint ist, aber wie wir seit “Kinderzimmer Productions” wissen, ist das ja das Gegenteil von gut. Und genau da kam der Vorteil der Workspaces zum tragen: Niemand hat eine fertige Arbeit mitgebracht und einfach ausgestellt, sondern alles ist vor Ort entstanden. Man hat sich von der Umgebung inspirieren lassen, von den anderen Künstlern, vom (entschuldigt das Wort) “Vibe” der durch die Räume waberte. Und deswegen ist das alles sehr homogen geworden und hat gleichzeitig das Profil der Künstler behalten, vielleicht sogar noch etwas geschärft.
Für mich werden die Workspaces eine Erinnerung bleiben, von der ich weiss das ich es so selten wieder zu sehen bekommen werde. Deswegen noch zum Abschluss, mit einer kleinen Träne im Knopfloch, ein Überblick über alle drei Beck´s Gold Urban Experiences Workspaces. Schön das miterlebt zu haben.
P.S.: Es sind auch noch nicht ganz alle Künstler einzeln portraitiert, hier auf dem Blog. Die restlichen kommen jetzt peu a peu, damit das alles im Fluss bleibt…;)
Klamotten kaufen artet regelmässig in Stress aus. Natürlich ein schöner, positiver Stress, aber Abends ist man dann doch fertig. Und wenn die Hoffnung dann noch nicht erfüllt wurde, das man dieses eine, dieses Besondere Teil beim losziehen gefunden hat, dann kann man auch mal dezent unbefriedigt sein.
Wie schön wenn es Menschen mit Geschmack gibt. Und wie schön wenn diese Menschen den dann auch noch auf ihre spezielle Art und Weise kommunizieren. So wie Philip Stolte. Der hat nämlich einen Laden für Männermode in München, der darauf spezialisiert ist seinen Kunden eben dieses eine, einzigartige Teil anzubieten. In einem Laden, der schon so gemütlich ist, das man eigentlich sofort einziehen möchte, mit seiner rustikalen Holzwand. Im Artikel bei “The Closet” erfährt man mehr über das Konzept:
Das Konzept für den Store „Harvest“ [...] entwickelte er im Rahmen seiner Diplomarbeit. Sein Weg führte Philip dafür schon vorher nach London, Stockholm, New York und Zürich, um die Köpfe hinter den im Shop erhältlichen Marken persönlich kennen zu lernen. „Das Gefühl, dabei in Kontakt mit Freunden zu treten und deren Brands einzukaufen, will ich an meine Kunden weitergeben.”
Nun, was macht dieser gelernte Kommunikationsdesigner auf dem Workspace? Ist doch klar: Eine Videoinstallation!
Denn Stolte entwirft auch selber Kollektionen unter dem Label “Steam´s”. Man sieht also: Er hat nicht bloss auf Einzelhändler umgesattelt, das eigene entwerfen, designen, erschaffen macht für ihn einen nachwievor ebenso grossen Teil seiner Arbeit aus. Deswegen hat er sich für den Workspace eine Arbeit ausgedacht, und realisiert, mit dem Namen “Turning – Break”.
Bei dieser Videoinstallation, die er auf das TTT projezierte, ging es ihm darum zu zeigen, wie sehr Bewegung und Stillstand miteinander verbunden sind. Das schaffte er beispielsweise, indem er riesige Zahnräder über die Holzkisten laufen liess. Und gerade das ist ja auch ein Symbol, für die Stadt, für das urbane Leben. Alles wird von einem riesigen Motor angetrieben. Wie man den nennen möchte, bleibt jedem selbst überlassen. “Respekt”, “Liebe”, vielleicht auch “Geld”. Die Erscheinungsform des Motors ist so vielfältig wie die Bewohner des Lebensraums. Und genauso, wie der Motor läuft, braucht er eben auch seine Phasen des Stillstands, um neue Bewegungsenergie aufzuladen.
Wobei Vielfalt keine Frage von “Masse” ist, sondern eine Frage von “wollen”. Tausendsassa Philip Stolte ist das beste Beispiel dafür.
Vor ein paar Tagen hab ich mich mit einem Freund über Street Art unterhalten und er meinte, das ja der Witz daran gerade der sei, das man jederzeit und überall von Kunst “überrascht” werden könnte. Das man die Stadt mit anderen Augen sieht, seitdem das Thema gross geworden ist. Womit er absolut Recht hat. Ich gebe es zu: Ich habe auch schon die Berliner Banksy-Wand fotografiert…:)
Allerdings ist das nicht alles. Denn eine weitere Besonderheit ist die, das (wirklich gute) Street Art auch durchaus im meinetwegen “klassischen” Kunstkontext funktioniert, wenn sie eben eine gewisse “Schöpfungshöhe” (Beamtendeutsch kann manchmal so poetisch sein…) hat. Wie bei einer Ausstellung, wobei die Workspaces ja nunmal auch nicht gerade das sind, was man sich unter einer “klassischen”, sprich: langweiligen, Ausstellung vorstellt. Und deswegen war flxn auf den Workspace in München eingeladen.
Der ‘71 geborene Zeichner aus München ist schon seit ca. 20 Jahren in der Graffitti-Szene aktiv und wohl das, was man eine “Legende” nennt. Da das sprühen kein “living” macht, hat er sein Talent unter Anderem auch im Zeichentrick eingesetzt oder als Comiczeichner. Mittlerweile ist er freier Illustrator und Maler. Auf dem Workspace hat er sich eine ruhige Ecke am TTT ausgesucht und sofort mit der Arbeit begonnen.
Den ganzen Tag war er damit beschäftigt, sein Kollagenartiges Piece fertig zu stellen. Wie man dabei nicht den Überblick verlieren kann, finde ich erstaunlich. Für flxn ist das aber anscheinend eine Art Routine. Da spielt wohl auch wieder die jahrelange Erfahrung eine Rolle. Gerade im Graffitti ist ja auch der Faktor “Schnelligkeit” eine nicht zu vernachlässigende Grösse.
Und so malte er, hielt inne, verschaffte sich einen Überblick, und malte weiter. Nur unterbrochen von einem kritischen Blick auf die Entwicklung des Gesamtbildes.
Was soll ich sagen: Gerade bei Bildern finde ich es oft müssig, sich noch in grossen Reden zu versuchen. Oder, wie es im Internet so schön heisst: “Pictures, or it didn´t happen!”. But it did. Und wie. Seht selbst:
Hammermischung aus popkulturellen Versatzstücken und einer Art “verblassen” der selbigen in einem schwarz/weiss/blauen Farbenteppich. Mit diesem gewissen politischen Drive, der Street Art so innewohnt. Meh, jetzt hab ichs doch beschrieben. Aber, um nochmal auf den Eingangs erwähnten Freund zurückzukommen: Ich finde das gute Street Art mich auch durchaus überraschen kann, wenn ich vorher weiß, das ich sie sehen werde. Q.e.d flxn.
Mode ist ja eigentlich die vergänglichste Kurzform. Geht zumindest mir so: Wenn ich denke ich bin super up-to-date angezogen, dann muss ich immer feststellen, das ich schon wieder out bin. Zum Glück meistens so out, das es schon wieder in ist, aber wer wirklich Trends folgen will, der hat ne Menge zu tun, vor allem in der Grossstadt.
Was für eine wunderbare Idee hatte da Janneke Raaphorst, um dieses Dasein als trendbewusster Mensch zu erleichtern! Der Reihe nach:
Auf ihrer Homepage kann man lesen, mit welcher Frage sie so oft konfrontiert wird.
As I bring life into T-shirts by wrapping them in plastic bags,
honour people by portraits made in personally designed clothes
and I makes movies with costumes made with the grammar
of drawing, continiously the question rises
whether it is fashion I do. The answer is:
“Of course, and I do it with love.”
Janneke unterteilt nicht in Kunst und Mode, für sie ist das ein Kosmos, in dem sie sich bewegt. Und natürlich sind wir froh, das sie das tut. Ein Selbstverständnis das leider viel zu selten ist. Denn natürlich ist Mode Kunst. Was sonst?
Auf dem Münchener Workspace hatte die niederländerin Raaphorst einen seltsam anmutenden Stoff dabei. Ballenweise. Und war den ganzen Tag damit beschäftigt diesen Stoff zu verarbeiten. Schöne, stylische Teile daraus zu nähen.
Mit Hilfe ihrer Freundin zusammen entstanden so eine Menge Kleidungsstücke. Die sind natürlich so alleine für sich erstmal ein bischen langweilig. Deswegen war auch klar, das sie standesgemäss präsentiert werden mussten. Am Abend, als die Gäste da waren, war es dann so weit: Die grosse Modenschau konnte starten. Janneke und ihre Begleitung präsentierten ihre eigens angefertigte “Kollektion”.
Und jetzt kam der Twist: Der spezielle Stoff, aus dem die Sachen genäht waren hat sich, vergleichbar mit Esspapier, beim Kontakt mit Bier tatsächlich aufgelöst. Zuerst haben die beiden Damen das vorsichtig präsentiert, aber als die Zuschauer das Prinzip begriffen haben, gab es eine Formel 1-Artige “Siegerehrung” der Umstehenden. Mit Bier.
Die Taufe lief, bis die Klamotten wirklich weg waren. Somit hat Janneke, die dann irgendwann mit ihrer Freundin nur noch in BH und Strumpfhosen da stand, genau das erreicht, was sie wollte: Die Kleidungsstücke waren weg, verschwunden. Es gab sie einfach nicht mehr. Das dürfte so ziemlich der schnellebigste Fashionzyklus gewesen sein, den die Anwesenden jemals miterleben durften. Und es ist natürlich ein Statement für die Schnellebigkeit von Mode. Manchmal löst sie sich eben einfach so in Luft auf. So schnell wie sie erschienen ist, ist sie dann auch wieder weg. Wer weiss ob man das Teil, das man sich gestern gekauft hat, auch morgen wieder anziehen kann, oder ob es sich nicht einfach so “aufgelöst” hat? Für genau solche Momente und Fragestellungen liebe ich solche Performances.
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Kurzfilm am Montag: Something to believe
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Kurzfilm am Montag: Something to believe
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