Es gibt ja diese Mönche in Japan, deren einzige Aufgabe es ist schöne Bilder in den Sand zu malen um sie dann, wenn sie fertig sind, wiede wegzuwischen. Das ist da eine alte Tradition. Und das ist natürlich auch seit je her ein künstlerisches Prinzip: “The way to creation is always destruction.”

Elín Hansdóttir 1

Nun kann man das natürlich irrsinnig verklausulieren und superkomplexe Zeströrungsorgien zelebrieren, die möglichst noch auf mehreren Ebenen, physisch wie psychisch, ablaufen. Oder man macht es so wie Elín Hansdóttir.

Elín Hansdóttir 2

Die in Island geborene Künstlerin, die ihr Studium in Reikjavik so wie in Berlin besucht hat, hat schon viele aufwendige Rauminstallationen gemacht. Auffällig dabei ist immer ihre Nutzung von Farben und Licht. Ihre älteren Arbeiten haben vor allem viel mit Weiß gearbeitet. Weisse Gänge ins Nichts, weisse Räume, weisse Treppenhäuser. Nun scheint die Künstlerin aber Farben für sich entdeckt zu haben. Auf jeden Fall sah es danach aus, wenn man sie beim Aufbau ihrer Arbeit auf dem Workspace beobachtet hat.

Elín Hansdóttir 3

Was Hansdóttirs Arbeiten miteinander verbindet, ist der irrsinnige Aufwand, den sie betreibt. Sei das nun in einem Leuchtturm an der Küste Islands, oder eben in einer Hamburger Location, wo mehrere Künstler um sie herum wuseln und man weiss, das ab einem gewissen Zeitpunkt auch noch Gäste aufschlagen. Aber sie hat die Ruhe weg. Und fast schon meditativ, wie eben genannte Mönche, schichtet sie bunten Stein auf Stein.

Elín Hansdóttir 4

Und lässt so eine kleine Stadt wachsen, die ein bischen aussieht wie eine Achterbahn. Das alleine ist schon Irrsinn: Etwas so fragiles wie ein Dominogebilde aufzustellen, wenn man weiss das gleich 500 Leute kommen um zu feiern. Oder sagen wir es lieber so: Es wäre Irrsinn, wenn das Ziel nur gewesen wäre, das Teil zu bauen und stehen zu lassen.

Elín Hansdóttir 7

Aber an der Stelle kommt Elíns performativer Ansatz ins Spiel: Alle Gäste werden um die Dominosteine herum aufgestellt und die wenigen, die ganz vorne sitzen, werden aktiv mit einbezogen, indem sie die Flaschen umstossen sollen, die sternförmig um die bunten Klötzchen angeordnet sind. Und es kracht und rauscht im Saal.

Elín Hansdóttir 5

Eine Stadt an sich wirkt immer wie ein festes, starres Gebilde. Im Prinzip aber sind die Einzelteile dieser Strukturen, wenn man weiter ins Detail geht, zerbrechlich. Das hat uns dieses Spektakel vor Augen geführt. Je mehr man in die Nahaufnahme geht, umso fragiler wird es. Und mal ehrlich: Dominosteine sind doch immer wieder faszinierend. Vor allem wenn sie umfallen.

Elín Hansdóttir 6

 

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