Ein Bekannter von mir ist Filmproduzent und ein nicht unerfolgreicher noch dazu. Vor ein paar Jahren, als er noch studierte, schaffte es einer seiner Filme auf die Berlinale. Ich erinnere mich noch daran, wie nervös der gute Bursche war, als wir in der Wohnung eines Freundes standen und seine ganzen Utensilien sortierten: Poster, Sticker, Postkarten, Visitenkarten. Plötzlich hielt er inne, griff in die Box mit den Stickern und reichte mir und unserem Freund jeweils eine Handvoll. “Hier, macht mal ein bisschen Guerilla-Marketing und klebt sie rum!”

Unter Guerilla-Marketing stellten wir uns natürlich etwas…guerillaartigeres vor, als Sticker irgendwo hinzukleben. Da wurde mir klar, dass die Welt der Bullshit-Bingo-Wörter um ein weiteres erweitert wurde. Und es wurde nicht besser. Vor ein paar Wochen unterhielt ich mich mit dem Chef einer kleinen Werbeagentur, der mir unbedingt seine neueste Viral-Kreation zeigen wollte: Es handelte sich um verwackelte Aufnahmen einer Frau beim Einkaufen, die sich den ganzen Wagen voll mit Käse stopfte. Whoopiedoo, ist das verrückt…

Dass es auch besser geht, zeigen die folgenden Beispiele:

Die Agentur Jung van Matt Neckar zum Beispiel ist bekannt für ihre Guerilla-Aktionen mit dem Autovermietungsservice Sixt. Eine davon ist zum beispiel diese alte Idee, charmant umgesetzt:


Siggst Tschiebkarrs bei Youtube

Einen Schritt weiter gingen sie übrigens, als sie…

(…)Mit Hilfe von fünf öffentlich zugänglichen Wi-Fi Access Points deren WLANs für Werbebotschaften für Sixt benutzt wurden.

Vor ein paar Tagen machte ein Video ihre Runde durch die Blogosphäre, in dem zwei Typen mit T-Shirts gegen einander kämpften. Dabei wurden 225 T-Shirts von einer online T-shirt-Druckerei zur Verfügung gestellt, die man sich natürlich gleich im Anschluss des Videos kaufen kann:


T-Shirt War bei Youtube

Ich glaube die Agentur Dark Igloo hat gefährlich einen an der Marmel. Anders kann ich mir nicht erklären, wie sie diesen Film zusammenwemst haben. Das macht sie aber umso sympathischer und sollte Beck’s jemals auf die Idee kommen sich einen Imagefilm machen zu lassen, dann bittebittebitte bei ihnen! Geworben wird in dem folgenden Film für The Pump Energy Food. Aber ich denke die Botschaft ist klar.

Do you eat Crap bei Youtube

Ich gehe relativ oft ins Kino, konnte aber bisher leider nicht Zeuge von Ikeas neuer Strategie werden. Das schwedische Möbelhaus ist sich nämlich sehr wohl bewusst, dass ihre Artikel in so ziemlich jedem zweiten Film auftauchen, aber sind es auch die Zuschauer? Und wenn sie es sind: Woher sollen sie wissen, was das zu sehende Produkt kostet und wie es heißt? Richtig: Gar nicht. Deswegen kam DDB Berlin auf die Idee leistungsstarke Beamer einzusetzen und die Besucher aufzuklären:


Ikea bei Youtube

Saatchi & Saatchi Jakarta haben für eine Haustierbedarfskette mit wenigen Mitteln einen erstaunlich charmanten Effekt erreicht:

Leider weiß ich nicht wer für diese Sauerei verantwortlich ist, aber ein Küchenrollenhersteller wird es schon richten:

Cooch Creative aus Australien sind die Spielverderber, die für diese Anti-Grafitti-Kampagne verantwortlich sind:

Viral? Ambient? Wasauchimmer – es sieht nach einer Menge Spaß aus, den man da in einem Kino erleben konnte. Die Zuschauer wurden als lebendige Joysticks “missbraucht”, bis der Film begann.


Newsbreaker bei Youtube

Eines der, meiner Meinung nach, gelungensten Aktionen der letzten Zeit, hat die schwedische Agentur DDB Stockholm gebracht. Mit The Fun Theory schafften sie es Menschen zu Dingen zu bewegen, die sie eigentlich nicht so gerne machen. Wie zum Beispiel das Leergut wegbringen:


Bottle Bank bei Youtube

Oder Treppen zu steigen und Müll wegzuwerfen.

Und zum Abschluss: Wer hat sie nicht gesehen – die Diesel-Porno-Kampagne? Garantiert SFW XXX, der britischen The Viral Factory sei dank:

Diesel SFW XXX

 

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